Die Zukunft von Tiktok bleibt weiterhin ungewiss. Die amerikanischen User:innen verabschiedeten sich am Sonntag mit emotionalen Videos voller dramatischer Geständnisse und tränenreichen Dankesreden. Dann drohte der Stillstand der App – für immer.
Tatsächlich war Tiktok bereits kurze Zeit nach dem Inkrafttreten des Verbots wieder erreichbar. Für die schnelle Reaktivierung der App wird nun ausgerechnet Barack Obama gedankt. Aber was hat der ehemalige Präsident damit zu tun?
Mehr als 700.000 Aufrufe hat das Tiktok der US-Amerikanerin Lisandra Vazquez bereits. Darin ruft sie dazu auf, mit #thanksobamafortiktok dem ehemaligen Präsidenten Obama für das plötzlich Wiederkehren von Tiktok zu danken. What?!
"Für's Retten von Tiktok danken wir Präsident Barack Obama", er habe die App ganz alleine vor dem Untergang bewahrt. Lisandra bezeichnet die Rettung als Geschenk für Präsident Donald Trump, den man in der Realität eigentlich am ehesten für die Wiederbelebung der App verantwortlich machen könnte.
Dennoch dankt Lisandra erst Ex-Präsident Obama, dann der ehemaligen First Lady Michelle Obama – und anschließend auch noch der bis kürzlich amtierenden Vizepräsidentin und Trump-Kontrahentin Kamala Harris.
Spätestens als sie sogar Weltstar Taylor Swift für die Reaktivierung Tiktoks dankt, wird die eigentliche Intention des Videos klar: Um den neuen Präsidenten wütend zu machen, möchte sie allen danken, die Trump nicht ausstehen kann.
Auch wenn letzterer das Verbot der App wohl vorerst annulliert hat, steht Tiktok vor einer ungewissen Zukunft. Lisandra will sich davon als Userin nicht die Laune verderben lassen:
Als noch stärkster Gegner der beliebten Plattform forderte Trump bereits 2020 ein TikTok-Aus. Der direkte Nachfolger von Obama wollte damit die nationale Sicherheit schützen.
Seither drehte sich seine Perspektive. Bereits vor dem Abschalten von Tiktok hatte der wiedergewählte Präsident angekündigt, die App wieder zu erlauben. Dennoch erhielten die User:innen am Sonntag zunächst folgende Nachricht:
Trump versprach dem Konzern, das Verbot nach seiner Amtseinführung wieder aufzuheben und Präsident Biden sagte zu, in den letzten Stunden seiner Amtszeit nicht Tiktok zu verklagen. Das ermöglichte dem Konzern, die App für seine 170 Millionen amerikanische User:innen wieder freizuschalten. So dauerte das Verbot gerade einmal etwas mehr als 12 Stunden.
Der mittlerweile vereidigte Trump machte das Versprechen direkt an seinem ersten Tag wahr: Bis zu 75 Tage darf die App länger online bleiben. Dieser Aufschub solle ihm mehr Zeit geben, die Zukunft von Tiktok zu erarbeiten. Um die amerikanischen Geschäfte der App zu kaufen, hätte sich bereits "jede reiche Person" bei ihm gemeldet.
Das stimmt auch Shou Chew, den CEO von Tiktok, sehr glücklich. Er veröffentlichte eine liebevolle Dankeshymne an den neuen US-Präsidenten: "Im Namen von allen Mitarbeitenden von TikTok und allen User:innen in diesem Land, möchte ich Präsident Trump dafür danken, dass er mit uns für eine Lösung einsetzt, die Tiktok weiterhin verfügbar in den USA hält", erklärte er. Sie seien "dankbar dafür, die Unterstützung eines Präsidenten zu haben, der unsere Plattform wirklich versteht."
Trump sagte bereits im Dezember, er habe einen "warm spot" in seinem Herzen für Tiktok. Nicht gerade irrelevant dürfte dabei auch sein, dass er mittlerweile auf der Plattform zunehmend an Beliebtheit gewinnt.
Um das Fortbestehen von Tiktok zu debattieren, traf sich der chinesische Vizepräsident Han Zheng am Sonntag mit dem Präsidentenberater und Tesla-Chef Elon Musk, sowie mit dem designierten US-Vizepräsidenten JD Vance.
Obama kann für das Wiederbeleben Tiktoks also genauso wenig, wie Trump für das Ende der Oligarchie in den Vereinigten Staaten. Lustig bleibt ersteres trotzdem.