4 Fragen und 4 Antworten für alle, die im Diesel-Skandal nicht mehr durchsteigen

29.05.2018, 08:3329.05.2018, 10:42

Seit zweieinhalb Jahren erschüttern die Betrügereien um den Diesel-Skandal die deutschen Automobilbauer – und die Fahrer. VW wird verklagt, der Vorstand muss gehen, soll dann eine fette Abfindung bekommen, dann doch wieder nicht. Plötzlich haben Ermittler auch noch Daimler auf dem Schirm.

Eigentlich müsste ein Software-Update her, oder vielleicht doch teuer den Motor nachrüsten? Und was ist mit den Fahrverboten? Wo darfst du mit deinem Diesel noch hin?

Wir klären vier wichtige Fragen, um dich im Diesel-Skandal wieder auf den aktuellen Stand zu bringen.

Worum geht's denn jetzt nochmal? 

Bild: dpa

Wir drehen kurz zurück auf Anfang:

Im September 2015 wurde in den USA bekannt: Volkswagen hat die Stickoxid-Abgaswerte seiner Diesel-Fahrzeuge manipuliert. Eine Software im Motor erkannte, ob sich das Auto 

  • auf einem Teststand im Labor befand. Dann funktionierte die Software und die Abgase wurden von Stickoxid gereinigt.
  • auf der Straße unterwegs war. Dann dimmte das Programm die Stickoxid-Reinigung runter.

Und was geschah dann?

VW gelang es offenbar einfach nicht, mit seinen Motoren den in Amerika geltenden Grenzwert für Stickoxid einzuhalten. Anstatt Techniken zu benutzen, die auch andere Hersteller in ihren Fahrzeugen nutzten, schien VW jahrelang in einer technischen Sackgasse unterwegs zu sein (FAZ).

Durchatmen mit ein paar harmlosen Täuschungen:

1 / 9
Optische Täuschunge
quelle: swiked/tumblr
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Justiz startete Ermittlungen – in den USA und in Deutschland. Zwei Vorstandsvorsitzende (Martin Winterkorn und Matthias Müller) mussten bisher gehen. Offen ist, wann der neue VW-Chef Herbert Diess von den Vorwürfen erfuhr.

Bild: AP

Jetzt auch noch Daimler

Vergangene Woche hatte das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auch Daimler ins Visier genommen. Das Unternehmen soll ebenfalls manipuliert haben – seinen Kleintransporter Vito und Wagen der C-Klasse. Der Konzern hatte Schummeleien stets bestritten.

Das Bundesamt sieht das anders. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fordert Aufklärung binnen 14 Tagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Daimler-Strategie ist verwegen. Der Konzern bezieht nämlich Teile der Motoren für Vito und C-Klasse vom französischen Autobauer Renault.

Daimler sagt: Renault sei für die Manipulationen verantwortlich.

Renault sagt: Für die Software sei allein das Unternehmen verantwortlich, welches das fertige Auto ausliefert. 

Was will die Bundesregierung unternehmen? 

Ein paar Witzchen mit dem VW-Vorstand: Angela Merkel am 14. September 2017 mit damals-noch-VW-Chef Matthias Mueller (rechts) und aktuell-gerade-VW-Chef Herbert Diess (2. von links)
Ein paar Witzchen mit dem VW-Vorstand: Angela Merkel am 14. September 2017 mit damals-noch-VW-Chef Matthias Mueller (rechts) und aktuell-gerade-VW-Chef Herbert Diess (2. von links)Bild: AP

Das weiß niemand. 

Technisch gibt es zwei Lösungen:

  • Update der Software – billig, aber wird sich auf die Abgasreinigung wohl nicht ausreichend auswirken. Dazu wären die Autobauer aber bereit.
  • Nachrüsten der Software – das bedeutet, Kosten zwischen 1200 Euro und 1500 Euro. Offen ist, wer dafür zahlt. 

Bundesumweltministerium Svenja Schulze (SPD) ist für ein Nachrüsten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist für ein Update der Software. 

Und die Kanzlerin? Hat sich noch nicht festgelegt. Es gebe Differenzen, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Ja, und jetzt?

Die EU-Kommission hat Deutschland (und fünf weitere Länder) wegen zu hoher Abgasbelastungen in der Luft vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg verklagt. Das Verfahren kann dauern. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat den Städten im Februar generell zugestanden, ein Fahrverbot zu erlassen, wenn die Abgasbelastung hoch ist.

Hamburg macht am Donnerstag, 31. Mai, den Anfang. Dort werden zwei Straßen teilweise für Diesel-Fahrzeuge gesperrt.

Bild: Revierfoto

Und die Fahrer? Warten auf eine Entscheidung der großen Koalition. Und auf eine Antwort auf die Frage: Übernehmen die Verursacher des Skandals – die Autobauer –  die Kosten?

(per/dpa/afp)

Uniper-Gate schadet Robert Habecks Karriere – "Lobby Control" kritisiert Intransparenz

Hat Robert Habeck nun eine Lobby-Affäre am Hals? Zumindest gerät der grüne Bundeswirtschaftsminister wegen seiner geplanten Gasumlage momentan heftig in Bedrängnis. Kritisiert wird, dass wohl ein Unternehmen an der Ausarbeitung der Gasumlage mitgewirkt haben soll – der Energiekonzern Uniper. Das Unternehmen ist zugleich eines der größten Profiteure dieser Umlage.

Zur Story