Die beiden Frauen Bindu Ammini and Kanaka Durga am 24. Dezember 2018: Nach einem ersten gescheiterten Versuch waren sie nun erfolgreich.
Die beiden Frauen Bindu Ammini and Kanaka Durga am 24. Dezember 2018: Nach einem ersten gescheiterten Versuch waren sie nun erfolgreich.Bild: rtr

Frauen gelangen erstmals in Hindu-Tempel in Indien – Proteste eskalieren

02.01.2019, 11:5003.01.2019, 09:45

Einer der heiligsten Hindu-Tempel im Süden von Indien war für Frauen bislang gesperrt. Um das zu ändern war es in der Vergangenheit immer wieder zu Protesten gekommen, zuletzt hatten Frauen eine rund 600 Kilometer lange Menschenkette gebildet.

Ein Teil der Menschenkette.
Ein Teil der Menschenkette.Bild: twitter Brahma Narayanan

Am Mittwoch war es zwei Frauen gelungen, die Mauer aus Männern zu durchbrechen und in den Tempel zu gelangen – bei Gegenprotesten zu der Aktion gab es mindestens einen Toten und 15 Verletzte. Um weitere Gewalt zu verhindern, werden am Donnerstag zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt, heißt es. 

Ausschreitungen vor dem Tempel: Nachdem Frauen das Heiligtum betreten haben, führten Mönche ein "Reinigungsritual" durch.
Ausschreitungen vor dem Tempel: Nachdem Frauen das Heiligtum betreten haben, führten Mönche ein "Reinigungsritual" durch.Bild: rtr

Die Ereignisse im Überblick: 

  • Am Mittwoch hatten sich erstmals zwei Frauen Zutritt zum Sabarimala-Tempel in Kerala verschafft. Unter Polizeischutz betraten die beiden kurz vor Sonnenaufgang heimlich den Tempel, zu dem Hindu-Traditionalisten trotz eines anders lautenden Gerichtsurteils Frauen im gebärfähigen Alter weiter den Zutritt verwehren.

    Ihre Aktion sorgte in mehreren Städten für heftige Proteste. Vor dem Parlament in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram lieferten sich gegnerische Gruppierungen gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Auch in anderen Städten gab es Proteste.
  • Am Dienstag hatten zehntausende Frauen eine 600 Kilometer lange Menschenkette gebildet, mit der sie für ihr Zutrittsrecht zu dem heiligen Tempel im Süden des Landes demonstriert haben. Die Aktion fand im Bundesstaat Kerala statt. Die Frauen wollten ihre Unterstützung für ein Gerichtsurteil vom September deutlich machen, mit dem das Zutrittsverbot für Frauen zum Sabarimala-Tempel aufgehoben wurde.
  • Bereits im Oktober war es zu zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Dabei wurden mehr als 2000 Menschen festgenommen.
Um was geht es genau?
Der Sabarimala-Tempel ist einer der heiligsten Tempel der Hindus. Das Oberste Gericht des Landes hatte Ende September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen im gebährfähigen Alter zu dem Tempel aufgehoben. Frauen zwischen zehn und 50 Jahren war es zuvor verboten, den Tempel zu betreten und dort zu beten. Mehrere Frauen versuchten seither, zu dem auf einem Berg gelegenen Schrein für den Gott Ayyappa zu gelangen, wurden jedoch von Hindu-Traditionalisten abgehalten.
Gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts legten zahlreiche konservative Hindu-Bewegungen sowie die hinduistisch-nationalistische Bharatiya Janata Partei von Premierminister Narendra Modi Widerspruch ein. Sie argumentieren, das Urteil ignoriere die traditionelle Überzeugung, dass Ayyappa im Zölibat lebte. Für den 22. Januar ist eine Gerichtsanhörung der Gegner vorgesehen.​

(hd/afp)

Das könnte dich auch interessieren:

Alle Storys anzeigen
Viel zu wenig Frauen in der Primetime: So steht es um unsere TV-Shows und das sagen die Sender

Eine Quiz-Show mit Kai Pflaume, eine weitere mit Johannes B. Kerner und auf ProSieben kämpft Joko gegen Buddy Klaas. Wer in einer gewöhnlichen Woche durch die Primetime-Sendungen im deutschen Fernsehen zappt, sieht vor allem männliche Gastgeber, Moderatoren, Kommentatoren oder Quizmaster. Auch im Jahr 2020, in dem Frauen selbstbestimmt sein können, für ihre Rechte auf die Straße gehen, Chefin und Mutter sein und lieben können, wen sie wollen, sind sie in diesem Massenmedium noch immer unterrepräsentiert.

Zur Story