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Analyse

"Akt des Terrors": Verdächtige Päckchen an Clintons, Obama und weitere US-Demokraten

24.10.2018, 16:0025.10.2018, 14:48

Zwei Wochen vor den Midterms sind die USA am Mittwoch durch eine Serie von mysteriösen Paketbombenfunden erschüttert worden. In US-Medien war von Rohrbomben die Rede.

  • Ein verdächtiges Paket mit möglichen Sprengsätzen ist an den früheren US-Präsidenten Bill Clinton und seine Frau Hillary Clinton an ihre New Yorker Adresse geschickt worden. Es wurde bereits am Dienstag vom Secret Service entdeckt und entschärft. 
  • Ein weiteres Päckchen ging an den früheren Präsidenten Barack Obama. Es wurde ebenfalls abgefangen und entschärft.
  • Dann wurde das CNN-Büro im New Yorker Time Warner Building nach einem Paketfund geräumt. Bestimmt war das Paket für den früheren CIA-Direktor John Brennan. Das Gebäude wurde weiträumig abgesperrt und das verdächtige Paket später mit einem Spezialfahrzeug zur Entschärfung in eine Spezialeinrichtung in die Bronx gebracht.

Die Fahnder sprachen in einer Presskonferenz von scharfen Rohrbomben und einem verdächtigen weißen Puder.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem "Akt des Terrors". Es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere Bedrohungen in der Stadt. De Blasio versicherte: 

Reaktion von New Yorks Bürgermeister

"Wir lassen uns nicht terrorisieren."
Bill de Blasio
  • New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo erklärte vor der Presse, auch in seiner Post sei ein Sprengsatz aufgetaucht. Es würde ihn nicht überraschen, wenn weitere Paketbomben aufgespürt werden würden, so Cuomo, Am Abend gab die Polizei aber in seinem Fall Entwarnung.
  • In der Post des früheren demokratischen Justizministers Eric Holder tauchte ebenfalls ein Sprengsatz auf.
  • Später wurde auch das Büro der demokratischen Politikerin Debbie Wasserman Schultz in Florida wegen eines verdächtigen Pakets geräumt.
    Die Pakete an Bill und Hillary Clinton, Obama und Holder trugen den gefakeden Absender von Wasserman Schultz.
  • Im kalifornischen San Diego wurde nach einem mysteriösen Paketfund ein Gebäude geräumt, indem sich auch das Büro der demokratischen Senatorin Kamala Harris befindet. 
  • Ein weiteres verdächtiges Paket wurde im US-Bundesstaat Maryland abgefangen. Es soll laut CNN-Informationen an die demokratische Abgeordnete Maxine Waters adressiert gewesen sein.
  • Zuvor war bereits am Montag in der Post des liberalen Milliardärs George Soros ein verdächtiger Sprengsatz aufgespürt worden.
  • Dementiert wurden berichte über eine an das Weiße Haus adressierte Paketbombe US-Präsident Donald Trump ließ verlauten, er werde ständig über die aktuellen Entwicklungen informiert. Am Abend erklärte Trump: 

Die Reaktion des Präsidenten

"Sicherheit ist meine oberste Priorität... Politische Gewalt hat in den USA keinen Platz."
Donald Trump

Vize-Präsident Mike Pence sprach von "feigen Akten, ... die keinen Platz in diesem Land haben".

Was ist passiert an diesem denkwürdigen Tag in den USA?

Das Time Warner Building, in dem sich die New Yorker Büros von CNN befinden, wurde weiträumig abgesprengt. Das Sprengstoffteam der New Yorker Polizei sei vor Ort. 

CNN-Chef Jeff Zucker sprach in einer ersten Stellungnahme von einer "Vorsichtsmaßnahme". 

Das an Clintons Wohnsitz außerhalb von New York adressierte Paket sei bereits am Dienstagabend entdeckt worden. Am frühen Mittwochmorgen sei dann ein zweites verdächtiges Paket an Obama in Washington aufgetaucht, berichtete die New York Times. Ähnliches war zuvor dem Milliardär George Soros widerfahren. 

Im Fall von Soros wurde das verdächtige Paket von einem Mitarbeiter entdeckt, der die Polizei verständigte. Er wohnt Westchester County, dem selben New Yorker Vorort wie die Clintons. 

Die Post von ehemaligen Präsidenten wie Clinton und Obama wird von Geheimdienstmitarbeitern routinemäßig auf mögliche gefährliche Substanzen überprüft.

Hillary Clinton war in Florida als das verdächtige Paket entdeckt worden war. Bill Clinton war im Haus. 

Ihre Tochter Chelsea bedankte sich beim Secret Service für die professionelle Arbeit.

An wen sind die Paketbomben adressiert? 

Bill und Hillary Clinton

Die Clintons sind bei den US-Demokraten aktiv, sie stehen für ein liberales Amerika. Bill Clinton war von 1993 bis 2001 US-Präsident. Seine Frau war unter Barack Obama zeitweise US-Außenministerin. Vor zwei Jahren kandidierte sie für das Amt der US-Präsidentin und verlor in der Wahl knapp gegen Donald Trump von den Republikanern. 

Der Demokrat Barack Obama amtierte von 2009 bis 2017. Äußerst ungewöhnlich für einen Präsidenten bezog er auf einer Veranstaltung im Sommer direkt Stellung gegen die Politik seines Nachfolgers Trump. 

Der frühere CIA-Chef John Brennan hatte sich mit Donald Trump überworfen und war von diesem im Vorjahr entlassen worden. 

Die Demokratin Deborah Wasserman Schultz hatte sich gegen Trumps Kandidaten für den Supreme Court ausgesprochen: Richter Brett Kavanaugh war von mehreren Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen worden. Er wurde dennoch ins Amt befördert.

Eric Holder war Obamas Justizminister. Auch er machte gegen die Ernennung von Brett Kavanaugh als Verfassungsrichter mobil. 

Die demokratische Abgeordnete Maxine Waters macht gegen Trump mobil. In einem TV-Interview sagte sie jüngst: Trump sei "das Vorbild des wütenden Mob".

Und wer soll davon profitieren?

In den sozialen Medien beschimpften sich Anhänger der Demokraten und Republikaner gegenseitig, die Serie an Paketbombenfunden inszeniert zu haben. 

Der Republikaner Paul Ryan forderte eine rückhaltlose Aufklärung. 

Auch der konservative republikanische Senator Orrin Hatch rief dazu auf, die Spaltung des Landes zu überwinden.

Noch sind die Hintergründe für die Tat völlig unklar. Der zeitliche Ablauf legt aber eine extrem gute Koordination und Planung nahe. 

  • Der sogenannte Una-Bomber Ted Kaczynski machte durch eine Serie von Anschlägen auf staatliche US-Einrichtungen zwischen 1978 und 1995 von sich reden. Er ist das Musterbeispiel eines Einzeltäters.
  • 2011 kamen bei einem Anschlag in Tucson, Arizona, sechs Menschen ums Leben. Die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords überlebte schwer verletzt. Die Kritik richtete sich damals auch an die Republikanerin Sarah Palin, weil deren Unterstützer auf besonders umkämpfte Wahlkreise wie den von Giffords hingewiesen hatten.

Das Attentat auf Giffords war das erste Attentat auf einen US-Bundespolitiker seit dem Anschlag auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan 1981.

(per)

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