"Fehlstunden verkraften wir, die Klimakrise eher nicht." Schüler demonstrieren in Berlin
"Fehlstunden verkraften wir, die Klimakrise eher nicht." Schüler demonstrieren in BerlinBild: watson

"Wer nicht hüpft, der ist für Kohle" – Tausende schwänzen weltweit fürs Klima die Schule

15.03.2019, 09:5715.03.2019, 14:57
team watson

Hier waren Profis am Werk – und zwar weltweit. Hunderttausende Jugendliche demonstrierten an diesem Freitag in mehr als 100 Staaten unter dem Motto "Fridays for Future" für drastische Schritte gegen die Erderwärmung. Und das noch vor der ersten Stunde!

  • Den Auftakt machten Tausende Schüler in Neuseeland. Allein in dem Pazifikstaat waren gut 30 Demonstrationen geplant. Weltweit wollten in fast 1.700 Städten in 106 Ländern Jugendliche auf die Straßen gehen.
  • In Deutschland waren mehr als 220 Demonstrationen und Schulstreiks mit mehreren zehntausend Teilnehmern gemeldet. Allein in Berlin zählte der Veranstalter 25.000 Teilnehmer.
  • Die Schüler-Proteste gehen auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg zurück. Sie hatte vergangenes Jahr begonnen, jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament für Klimaschutzmaßnahmen zu demonstrieren, statt in die Schule zu gehen. Dafür wurde sie mittlerweile für den Friedensnobelpreis nominiert.
  • Trotz anhaltender Warnungen von Wissenschaftlern vor den Folgen der Erderwärmung hat der weltweite Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid in den vergangenen zwei Jahren neue Rekordwerte erreicht. Laut einem Bericht des Weltklimarats IPCC vom Oktober kann nur ein grundlegendes weltweites Umsteuern eine globale Klimakatastrophe verhindern.

Du hast die Proteste verpasst, weil du vielleicht doch in der Schule warst? Kein Problem: watson-Reporterin Katharina Kücke war in Berlin vor Ort.

Die Ereignisse des Klimastreiks zum Nachlesen im watson-Ticker.

Liveticker: Fridays for Future

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14:31
Der Protest ist global
Nicht nur in Berlin gehen Schüler auf die Straße, sondern weltweit.
Auch in Chile:



In Glasgow:



In Wien:



In Turin:



In Paris:


Und. Und. Und.
14:21
Die Demo löst sich auf
Die Schüler zieht es allmählich wieder nach Hause, die Demo in Berlin beginnt sich aufzulösen. Die Schülerin Luisa Neubauer, die den Protest für Berlin angemeldet hatte, sagt unserer Reporterin zum Abschluss: "Es braucht einen Plan, der aufzeigt, wie in den nächsten Jahren ganz massiv CO2 reduziert werden kann und dann müssen wir sehen, was noch passiert."
Bild: imago stock&people
13:59
Veranstalter spricht von 25.000 Schülern in Berlin
Nächste Woche wollen sie wieder streiken – bis zu den Europawahlen Ende Mai, kündigen die Veranstalter in Berlin an. "Wir fangen gerade erst an!"
13:50
Diese Frau darfst du Oma nennen, und sie kämpft für das Klima
Lydia kann sich kaum gegen den Bass durchsetzen, und so kommt es bei einem Gespräch mit unserer Reporterin zu einem lustigen Wechselspiel:

"Meine Enkelin ist 10 Jahre alt", ruft Lydia durch den Lärm,
Peter Fox antwortet mit den Worten seines Songs "Fieber": "Wenigstens ein Fakt, von dem ich begeistert bin".
Gemein, denkt man sich noch, als Lydia schon weiter spricht: "Ich lebe vielleicht noch 10 Jahre, aber sie noch 70!"
Peter Fox antwortet: "Braucht Waffen, für den Krieg gegen Mücken."

Jedenfalls tragen Lydia (71) und ihre Mitstreiterin Silvia (76) Schilder, die sie als Omas for Climate auszeichnet:
Die beiden sind genauso unzufrieden mit der Klimapolitik wie ihre Enkel*innen – sie sind schon den ganzen Tag auf der Straße!
13:33
Auch in der Schweiz sind mittlerweile tausende auf der Straße
Schaut euch diese Menge an Streiker*innen an, die von unseren Schweizer Kollegen begleitet werden!


13:28
Hört die Regierung in ihren Büros etwa zu?
Draußen geht ja gerade nonstop die Post ab:
Aber auch drinnen, bei den älteren Damen und Herren ist heute etwas passiert: Als hätten sie den Schülerinnen und Schülern zugehört, haben die Koalitionäre einen neuen Plan präsentiert: Sie wollen ein "Klimakabinett" erschaffen, um die wechselseitigen Blockaden beim Ringen um das geplante Klimaschutzgesetz zu überwinden. Das neue Gremium solle alle Ministerinnen und Minister zusammenbringen, "die mit Klimaschutz befasst sind", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Nur zur Erinnerung: Die Bundesregierung will in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen, um die Umsetzung der für 2030 vorgesehenen Minderung von Treibhausgasen um 55 Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 rechtlich abzusichern. Die Umweltministerin hat dafür einen Entwurf vorgelegt, der verbindliche Zielvorgaben für einzelne Sektoren wie Energiewirtschaft, Verkehr oder Landwirtschaft vorsieht. Für die Umsetzung sollen demnach die jeweiligen Einzelressorts verantwortlich sein. Dies stößt in der Union auf Widerstand. Für Lösungen soll nun der neue Kabinettsausschuss sorgen.
13:08
"Leugnen ist keine Politik"
Johanna (14) ärgert, dass es immer noch Politiker gibt, die den Klimawandel leugnen.
12:56
Emilia und Lisa
"Es wird nicht so viel auf Nachhaltigkeit geachtet", sagt Emilia. "Wenn die Biene tot ist, dann sind wir es auch."
12:55
Die Zahlen
In München versammelten sich laut Polizei rund 8000 Demonstranten, in Bremen etwa 5000. In Köln waren es nach Angaben von Veranstaltern und Polizei tausende Teilnehmer. Auch in Berlin sind es weit mehr als die angekündigten 5000.
12:40
Rosa, 17: "Blaukraut bleibt Blaukraut und Braunkohle bleibt..."
Der Demonstrationszug mit tausenden Schülern zieht jetzt am Reichstag vorbei. Braunkohle findet die 17-jährige Rosa nicht so gut.
12:22
Mama, was ist ein Eisbär?
So steht es auf einem Schild, das ein Schüler hochhält. Diese Frage sollen zukünftige Generationen besser nicht stellen müssen. Deswegen sind Schüler heute weltweit auf den Straßen.
Auch die Fehlstunden haben der Kreativität offenbar nicht geschadet. Bunte Schilder folgen auf noch buntere Sprüche. "Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp", rufen sie. Der geforderte Kohleausstieg für viele ein Hauptgrund für die Teilnahme an den Protesten. Sie ärgern sich über eine Politik, die Dinge entscheidet, wofür sie die Konsequenzen tragen müssen.
11:55
"Hotter than Scarlett Johansson"
In Berlin setzt sich der geplante Protestzug durchs Regierungsviertel langsam in Bewegung. Obwohl es kühl und windig ist, bleibt die Stimmung ausgelassen. Die Schüler wollen das Klima nicht der Politik überlassen, sie wollen mitbestimmen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", rufen sie.
11:42
AfD-Anhänger mehrheitlich gegen Schülerprotest
Aus der Bevölkerung bekommen die Schülerproteste der "Fridays for Future"-Bewegung überwiegend Zuspruch. Das geht aus dem ZDF-"Politbarometer" hervor. 67 Prozent der Befragten finden die Demonstrationen der Schüler gut, auch wenn sie in der Unterrichtszeit stattfinden. 32 Prozent sprechen sich dagegen aus. Lediglich die Anhänger der AfD sind mit 67 Prozent mehrheitlich gegen den Protest.
11:35
"Wir wollen, dass ihr in Panik geratet"
Greta Thunberg ist so etwas wie das Gesicht der Bewegung. Sie hatte im August 2018 damit begonnen, vor dem schwedischen Parlament für eine beherztere Klimapolitik ihres Landes zu protestieren. Dort ist die 16-Jährige auch heute wieder. "Es gibt so viel, was getan werden muss. Aber ein Anfang wäre, dass sie damit anfangen, zu sagen, wie es ist. Und was tatsächlich getan werden muss; wie sehr die Emissionen verringert werden müssen", forderte sie heute.

Und in einem Gastbeitrag, der im britischen "Guardian" veröffentlicht wurde, schrieb Thunberg zusammen mit anderen jugendlichen Organisatoren der globalen Initiative "Fridays For Future": "Diese Bewegung musste kommen, wir hatten keine Wahl." Die jüngsten Wald- und Buschbrände in Schweden und den USA, Überschwemmungen und Dürreperioden in Australien und Deutschland sowie rapide schmelzende Gletscher hätten ihnen vor Augen geführt, dass "etwas sehr falsch läuft". Die Erderhitzung nannten sie die "größte Gefahr, der die Menschheit jemals gegenüber gestanden hat".

Von den Erwachsenen erwarte die Bewegung nicht, dass sie der Jugend Hoffnung spende. "Wir wollen, dass ihr in Panik geratet und handelt. Wir wollen, dass ihr euch anschließt", heißt es in dem Beitrag.
11:20
Eisbären in Ruhe lassen
Die Klassen 1-3 der Gustav-Falke-Schule in Berlin-Wedding sind auch da. Die Klasse habe gemeinsam entschieden, an der Demo teilzunehmen, sagt eine Mutter.
Lilith (8) macht sich sorgen um die Eisbären. Weil durch den Klimawandel das Eis schmilzt, seien die in Gefahr. "Wir sollen Eisbären in Ruhe lassen, weil sie gefährdet sind."
11:06
Tancredi, 17
"Unsere Schule hat es verboten, hierher zu kommen." Tancredi, 17 Jahre alt, ist trotzdem da. Für ihn ist der Kapitalismus das Problem: "Wenn man sich nur aufs Geld konzentriert, dann lässt man den Klimawandel außer acht."
10:59
Was macht eigentlich...
FDP-Chef Christian Lindner? Der hatte sich bei der Fridays-for-Future-Bewegung unbeliebt gemacht, als er Schüler und Schülerinnen aufgefordert hatte, lieber außerhalb der Schulzeit für den Klimaschutz zu demonstrieren und die Angelegenheit besser Profis zu überlassen.

Weil das nicht so gut ankam, zeigt sich Lindner jetzt ein bisschen versöhnlicher und spricht sich dafür aus, einen jährlichen Klimatag an Schulen einzuführen. Die Schüler und Schülerinnen, die freitags für den Klimaschutz auf die Straße gingen, hätten ein berechtigtes Anliegen, schrieb Lindner in einem Gastbeitrag für "Zeit Online". "Während der Schulzeit zu demonstrieren, macht das Engagement allerdings nicht wertvoller." An einem solchen Klimatag könnten Schüler dann "alle Facetten des Themas beleuchten – von der Physik über den Politikunterricht bis hin zu Erdkunde."

Geduldeter Protest von oben sozusagen. Na dann.
10:35
Lilly hätte jetzt eigentlich Mathe
Lilly macht gerade Abitur. Sie hätte jetzt eigentlich Mathe. "Wir sind hier, weil wir es nicht länger ertragen können, dass nichts gemacht wird. Wir wollen auch noch unseren Kindern eine gute Zukunft geben", sagt sie. "Was nützt mir Mathe, wenn ich keine gute Zukunft mehr haben kann."
10:12
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Das fragen sich auch Hunderte Schüler, die gerade in Deutschlands Hauptstadt unterwegs sind.
"Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“, rufen die Schüler am Invalidenpark in Berlin.
8:22
Good morning, Vietnam: Neuseeland hat schon vorgelegt



Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern unterstützte die Schüler-Proteste. "Unterschätzt nicht die Macht Eurer Stimme", sagte sie diese Woche vor Schülern im Parlament. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Demonstrationen als eine "sehr gute Initiative" gelobt.

LGBTI* - was steckt hinter dem Kürzel?

Video: watson/katharina kücke

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