Rotschals vs. Gelbwesten – Frankreichs Kampf um die Straße begann im Netz

28.01.2019, 17:38

Ihr Erkennungszeichen ist ein roter Schal. Die "Foulards Rouges" haben am Sonntag in Paris gegen die Gewalt bei Protesten der "Gelbwesten"-Bewegung protestiert. Die "Rotschals" wollen der gelben Protestbewegung nicht die Straße überlassen. Die Teilnehmer demonstrierten nach eigenen Angaben auch für "die Verteidigung der Demokratie und der Institutionen". 

Wer sind die "Rotschals" und was wollen sie?

Nach Angaben der Polizei gingen rund 10.500 Anhänger der "Rotschals" auf die Straße. Der Protest begann mit einem Aufruf auf Facebook. Mindestens 10.000 Menschen hatten zuvor online ihre Teilnahme an dem "Republikanischen Marsch der Freiheiten" in der französischen Hauptstadt zugesagt. Die "Rotschals" wollen die Blockade und Gewalt einiger weniger nicht länger akzeptieren.

An der Spitze des Demonstrationszugs skandierten die Aktivisten "Ja zur Demokratie, nein zur Revolution".  Zu sehen waren mehrere Frankreich-Fahnen und eine Handvoll Europa-Fahnen. Einige Teilnehmer trugen T-Shirts mit Aufschriften wie "Ich liebe meine Republik", "Stoppt die Gewalt" oder "Wir sind auch das Volk". 

Wer steckt hinter der Bewegung?

Der Initiator der "Rotschals", Laurent Soulié, steht der Partei "Die Republik in Bewegung" (La République en Marche) von Präsident Emmanuel Macron nahe. Der Ingenieur aus Toulouse hatte die Idee zu der Demonstration Mitte Dezember bei Facebook lanciert.

Das Kennzeichen der roten Schals geht auf eine Protestgruppe zurück, die seit Ende November gegen die Straßenblockaden der "Gelbwesten" demonstrierte. Soulié versteht die "Rotschals" als eine Art "Aufruf an die stille Mehrheit, die sich seit zehn Wochen zu Hause versteckt hat"

Wie reagieren die "Gelbwesten" auf die Gegenproteste?

Der Kampf zwischen "Gelbwesten" und "Rotschals" findet nicht allein auf der Straße statt. Sondern natürlich auch im Internet. Gelbweseten-Aktivisten hatten offenbar Spruchbänder auf der "Rotschal"-Demo eingeschleust, um die "Foulards Rouges" zu diskreditieren. Vor allem ein Protestbanner machte im Internet die Runde.

Die Banner stammen offenbar von zwei Frauen, Elizabeth Faure und Sandra Fellous, die wiederum den Gelbwesten nahe stehen

Unterdessen brachten die "Gilets Jaunes"  am elften Protest-Samstag in Folge 69.000 Franzosen auf die Straße. In Paris demonstrierten demnach rund 4000 "Gelbwesten" gegen den Reformkurs von Präsident Macron.

In der Hauptstadt kam es am Place de la Bastille zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, um Demonstranten zurückzudrängen, die Wurfgeschosse auf Polizisten warfen. Nach Angaben der Präfektur wurden dabei 22 Menschen festgenommen.

Zusammenstöße gab es auch in den "Gelbwesten"-Hochburgen Toulouse und Bordeaux im Südwesten Frankreichs sowie im Süden in Montpellier und Avignon, außerdem in mehreren westfranzösischen Städten. 

(ts/afp)

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