Diese 7 Beispiele zeigen, wie die russischen Wahlen manipuliert wurden

19.03.2018, 09:57

Wladimir Putin ist wiedergewählt. Über 76 Prozent der Wähler bestätigten den Präsidenten im Amt. Ein klares Zeichen: Für weitere sechs Jahre darf der 65-Jährige Russland regieren.

Von freien Wahlen darf derweil nicht die Rede sein, die Opposition wurde in den vergangenen Jahren systematisch an der Arbeit gehindert.

Doch nicht nur im Vorfeld, sondern auch am Wahltag selber wurde alles dafür getan, dass sich Putin mit einem Glanzresultat seine vierte Amtszeit sichern konnte. Oppositionsnahe russische Wahlbeobachter registrierten rund 3000 Manipulationsversuche.

Folgende sieben Beispiele zeigen, was damit gemeint ist:

Geschenke für Wahl-Teilnahme

Fast so wichtig wie das Wahl-Resultat war für das Putin-Lager eine hohe Teilnahme. Mit rund 67 Prozent lag diese etwas unter den Erwartungen des Machthabers.

Anvisiert wurde eine Beteiligung von mindestens 70 Prozent – und dafür wurden diverse Maßnahmen ergriffen.

Medien berichteten von Geldprämien und der Verlosung von iPhones für Selfies mit angekreuztem Stimmzettel aus dem Wahllokal. Wählern sollte die Stimmabgabe zudem mit Geldprämien und Konzertkarten versüßt werden.

Auf den einen oder anderen Wähler wartete bei der Stimmabgabe sogar ein regelrechtes Festessen.

Druck am Arbeitsplatz

Der Nicht-Regierungsorganisation Golos lagen bereits im Vorfeld der Wahl Beschwerden vor, dass Druck auf Firmenbelegschaften, Staatsangestellte und Studenten ausgeübt wurde, zur Wahl zu gehen.

Reporter der Nachrichtenagentur Reuters beobachteten zudem, dass viele Wähler Selfies mit ihren Stimmzetteln in Wahllokalen machten. Auf Nachfrage gaben sie an, sie müssten diese ihren Vorgesetzten als Beweis für die Teilnahme an der Wahl vorlegen.

Shuttle-Busse

Wähler seien in Bussen von Wahllokal zu Wahllokal gefahren worden, damit sie mehrmals ihre Stimme haben abgeben können. Dies berichten Anhänger von Putin-Kritiker Aleksej Nawalny, die die Wahl beobachteten. "Wir würden das 'Shuttle-Bus-Wahl' nennen", sagte ein Mitstreiter des Oppositionellen.

"Urnenstopfen"

In einem Wahllokal in Karatschai-Tscherkessien im Nordkaukasus versuchte ein Polizist offenbar, einen ganzen Stapel Wahlzettel in die Urne zu werfen. Eine Beobachterin entdeckte den Verstoss und meldete ihn.

Desweiteren kursierten im russischen Facebook "Vkontakte.ru" Meldungen von unversiegelten Wahlurnen.

Festnahme von Beobachtern

Die Zeitung "Nowaja Gazeta" berichtete, im Gebiet Murmansk seien fünf Wahlbeobachter aus dem Stab von Putin-Kritiker Nawalny festgenommen worden.

Zwei seien inzwischen wieder auf freiem Fuss.Nawalny-Unterstützer melden derweil, dass diversen Wahlbeobachtern der Zutritt zu den Lokalen untersagt worden sei.

Namen auf mehreren Listen

Aus mehreren Orten wurde berichtet, dass einzelne Wähler auf mehreren Listen aufgetaucht seien. Zudem besteht der Verdacht, dass per Briefwahl Stimmen von Personen verschickt wurden, die gar nicht mehr an den angegebenen Adressen wohnen würden.

Dabei soll es sich auch um Menschen handeln, die bereits verstorben seien.Weiter berichtet die NGO Golos, dass ein Mann im tschetschenischen Ort Mairtup unter Vorlage eines fremden Passes zu wählen versuchte – und das gleich vier Mal hintereinander.

Ballone tauchen vor der Kamera auf

In der Region Kemorowo wurden in einem Wahllokal beim Auszählen der Stimmzettel plötzlich Ballone vor die Kamera gehalten. Kemorowo, östlich von Nowosibirsk gelegen, ist bekannt für eine sehr hohe Wahlbeteiligung und ausgezeichnete Ergebnisse für Putin.

Und dann tauchte noch er hier auf ...

(cma/sda/reu/afp)

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