Ein Flüchtling an Bord eines Hilfsschiffes.
Ein Flüchtling an Bord eines Hilfsschiffes.
Bild: X01625

In Spanien steigt die Zahl der Flüchtlinge, Europa reagiert hilflos. Mal wieder.

05.08.2018, 18:32

Die Warnung klang eindringlich. Mit aufrüttelnden Worten warnt das UN-Flüchtlingswerk UNHCR am Sonntag vor einer neuen Flüchtlingskrise.

"Es ist die tödlichste Seereise, die ein Flüchtling antreten kann. Und es ist an der Zeit, Alarm zu schlagen."
UN-Flüchtlingswerk

Nach Angaben des UNHCR sind seit Jahresbeginn 1511 Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer ertrunken, davon allein 850 im Juni und Juli. Weil Italien seine Häfen dicht macht, ändern sich zudem die Routen. Die Flüchtlinge weichen nach Spanien aus. Das zeigt, wie machtlos die Europäische Union ohne gemeinsames Handeln ist.

Auch das deutsche Innenministerium zeigt sich besorgt. Man befürchte, dass sich viele Migranten von Spanien auf den Weg nach Frankreich, in die Beneluxländer und nach Deutschland machen könnten. Sollte dies der Fall sein, werde man Schleierfahndung und Kontrollen verstärken, sagte Staatssekretär Helmut Teichmann. Unter dem Stichwort "Day Orange" hatte es am Wochenende in Deutschland zahlreiche Demonstrationen für eine humanitäre Flüchtlingspolitik gegeben.

3 Fakten zur neuen Situation am Mittelmeer.

Die traurige Lage

Mehr als 1500 Migranten sind seit Jahresbeginn im Mittelmeer ertrunken. Die UN-Organisation spricht von alarmierenden Zahlen, weil es immer mehr Todesopfer gibt, aber zugleich immer weniger Menschen in Europa ankommen. Das UNHCR macht Menschenschmuggler für die Toten verantwortlich, weil sie immer gefährlichere Überfahrten in immer weniger seetauglichen Booten organisieren. Auf diesen würden viel zu viele Menschen in der Hoffnung untergebracht, dass rechtzeitig Hilfe eintrifft. Die Flüchtlingsorganisation fordert, dass die Schmugglernetzwerke zerschlagen werden.

Italiens Innenminister Matteo Salvini wirft den Hilfsorganisationen vor, mit ihren Rettungsaktionen im Mittelmeer die Flüchtlinge zu einer Überfahrt zu bewegen.

Die Flüchtlinge

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) stammt der Großteil aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara sowie aus Marokko, Mali und Mauretanien. Die meisten kommen über den Landweg von Mali oder Niger über Algerien nach Marokko – von dort aus stechen sie nach Spanien in See. Durch das Alborán-Meer oder die Straße von Gibraltar gelangen sie an die andalusische Küste. Zwischen Nordafrika und Europa liegen dort teilweise nicht einmal 15 Kilometer.

Experten nehmen an, dass die Route über das westliche Mittelmeer eine zusätzliche und keine Alternative zu der zentralen Mittelmeerroute von Libyen aus ist. UNHCR-Sprecher William Spindler sagte:

"Es ist aber offensichtlich, dass es Migranten gibt, die schon in ihrem Herkunftsland entscheiden, Marokko (statt Libyen) zu passieren. Vielleicht weil sich herumspricht, wie gefährlich Libyen ist."
William Spindler, UNHCR-Sprecher

Spaniens humanitäre Geste

Der neue sozialdemokratische Regierungschef Pedro Sánchez hat mit Sofortmaßnahmen reagiert und in Andalusien - wo fast alle Migranten ankommen – ein Erstaufnahmezentrum und eine große Notunterkunft eingerichtet. Weitere sollen folgen. Sánchez sucht aber vor allem Lösungen und finanzielle Hilfen auf europäischer Ebene. Innenminister Fernando Grande-Marlaska ist mehrfach in Herkunftsländer gereist, speziell nach Marokko, Algerien und Mauretanien, um Gespräche zu führen. 

Ein Flüchtling im spanischen Malaga

Bild: imago stock&people

Insgesamt sinkt die Zahl der Flüchtlinge in der EU

Wird Spanien das neue Italien und steigt die Zahl der Schutzsuchenden? Danach sieht es zurzeit nicht aus. Die Zahlen für Spanien sind immer noch sehr gering im Vergleich zu denen aus Italien im Vorjahr. Dort kamen in den ersten sieben Monaten 2017 rund 95 000 Menschen an – dieses Jahr nur noch ungefähr 18 500. In Spanien waren es bis August etwa 23 500, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Und Deutschland? 

Protest gegen die Linie der CSU

Spanien ist neben Griechenland das einzige EU-Land das bisher mit Deutschland ein Rücknahmeabkommen vereinbart hat. Flüchtlinge, die über diese Länder in die EU eingereist sind und sich dann auf den Weg nach Deutschland machten, können zurückgeschickt werden. Derzeit versucht Innenminister Horst Seehofer, CSU, ähnliche Abkommen mit Italien, Österreich und Ungarn zu schließen. Seehofer sagte am Sonntag in der ARD, er könne nach der folgenden Woche mitteilen, ob es mit Italien und Griechenland Abkommen gebe.

(dpa, rtr)

Die Fast-Unfallgeschichte des AfD-Abgeordneten Anton Friesen. Teil II

AfD sprach von "Mordversuch" gegen Friesen. Ein Gutachten zeigt: Es muss sich bei kaputtem Auto gar nicht um Sabotage gehandelt haben. Und: Die Staatsanwaltschaft hat keine Hinweise auf ein politisch motiviertes Verbrechen. 

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