"Regenbogenfamilien existieren nicht" – Italiens Familienminister zeigt homophobe Kante

02.06.2018, 15:2602.06.2018, 15:35

Die neue rechte Regierung in Italien ist gerade mal einen Tag im Amt und schon hat ein Minister deutlich gemacht, welche populistische Route er eingeschlagen wird. Der neue konservative Familienminister Lorenzo Fontana von der rechtspopulistischen Lega hatte in einem Interview infrage gestellt, dass es Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern gibt.

Auf die Frage, was er für diese Familien tun wolle, sagte er: "Existieren Regenbogenfamilien?" Auf den Einwurf des Journalisten, dass es sehr viele davon in Italien gebe, sagte Fontana: "Gesetzlich existieren sie derzeit nicht."

Fontana – der auch im Europaparlament saß – sieht die traditionelle Familie in Gefahr und ist Abtreibungsgegner.

Der Zeitung sagte er:

"Ich bin katholisch, das verberge ich nicht. Und deshalb sage ich auch, dass die Familie jene ist, wo ein Kind eine Mama und einen Papa haben soll."

Um die niedrige Geburtenquote in Italien wieder anzuheben, wolle er die Zahl der Abtreibungen senken.

Lorenzo Fontana ist übrigens der Rechte. Und auch rechts im Bild.
Lorenzo Fontana ist übrigens der Rechte. Und auch rechts im Bild.Bild: imago stock&people

Es sei schlimm, wenn ein Minister eine solch "falsche und beleidigende Meinung" vertrete, sagte der Vorsitzende des Schwulenverbandes Gaynet, Francesco Lepore. Auch der Chef der Lega, Innenminister Matteo Salvini, der sonst selbst gegen Familienmodelle mit zwei Müttern oder Vätern wettert, distanzierte sich. Fontana könne "seine eigenen Vorstellungen haben", sagte er. "Aber sie sind nicht Priorität und sie stehen nicht in unserem Regierungsvertrag."

Der Vorsitzende des Verbandes Arcigay, Gabriele Piazzoni, sagte:

"In den letzten 24 Stunden haben wir zahlreiche Erklärungen von Minister Salvini und Minister Fontana gelesen, die aus einer Zeitung von vor mindestens einem halben Jahrhundert stammen könnten."

Italien ist ein katholische geprägtes Land; die gleichgeschlechtliche Partnerschaft wurde erst unter der Vorgängerregierung beschlossen. Adoption ist homosexuellen Paaren nicht erlaubt. Immer wieder kommt es zu radikalen Aktionen von Abtreibungsgegnern oder von Gegnern gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

(tl/dpa)

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