Links: Gelbwesten-Demonstranten, rechts: Philosoph Alain Finkielkraut.
Links: Gelbwesten-Demonstranten, rechts: Philosoph Alain Finkielkraut.
Bild: imago/montage: watson

"Dreckiger Zionist" – Gelbwesten-Demonstranten beschimpfen jüdischen Philosophen in Paris

17.02.2019, 14:41

Sie schreien auf ihn ein, beschimpfen ihn als "dreckigen Zionisten" und drohen ihm, das Volk werde sich an ihm rächen. Videoaufnahmen zeigen, wie Gelbwesten-Demonstranten am Rande einer Demonstration in Paris den jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut beschimpfen. Staatspräsident Macron hat die antisemitischen Beleidigungen verurteilt, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Täter.

Laut einem Bericht des französischen Fernsehsenders "Franceinfo" rufen die Demonstranten unter anderem:

  • "Du zionistisches Stück Scheiße, du wirst sterben"
  • "Raus hier"
  • "Fick deine Mutter"
  • "Palästina"
  • "schmutzige Rasse"

Macron verurteilt, Staatsanwaltschaft untersucht

Alain Finkielkraut ist Schriftsteller und Philosoph. Der Sohn eines Schoah-Überlebenden ist seit 2014 Mitglied der prestigeträchtigen Gelehrtengesellschaft "Académie française". Der französischen Sonntagszeitung "Le Journal du dimanche" sagte Finkielkraut, er habe einen "absoluten Hass" empfunden, als er von den Gelbwesten-Demonstranten beschimpft wurde.

Weiter sagte er:

"Ich hätte Angst gehabt, wenn keine Polizei dabei gewesen wäre, zum Glück waren sie da."

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat die antisemitischen Beschimpfungen am Samstagabend verurteilt. Diese Beleidigungen würden nicht toleriert, teilte er via Twitter mit.

Laut "Franceinfo"-Informationen hat die Pariser Staatsanwaltschaft am Sonntag eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Der Sender zitiert den französischen Innenminister Christophe Castaner außerdem mit den Worten, dass "ein Verdächtiger, der als Hauptverursacher der Beleidigungen gilt, von unseren Diensten identifiziert wurde".

Antisemitismus in Frankreich

Innenminister Christophe Castaner hatte erst zu Wochenbeginn berichtet, dass es in Frankreich 2018 deutlich mehr antisemitische Vorfälle gab als zuvor. Es wurden 541 Fälle bekannt – 74 Prozent mehr als noch 2017. Castaner sprach davon, dass sich der Antisemitismus "wie ein Gift" ausbreite.

(fh mit dpa)

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