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Der deutsche Geheimdienst BND kam an Nowitschok ran, im Fall Skripal bringt das wenig 

16.05.2018, 20:0416.05.2018, 20:14

Sensation. Sensation. Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND beschaffte sich in den 90er-Jahren den chemischen Kampfstoff Skripal. Das berichten WDR, NDR, "Süddeutsche Zeitung" und "Die Zeit". Für die Aufklärung im Fall des im März ermordeten russischen Ex-Agenten Sergeij Skripal bringt das aber wenig. Außer: Dass der Giftstoff munter vagabundierte. 3 Fakten

Worum geht's im Fall Skripal?

Der Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter werden am 4. März in England mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Skripal arbeitete für den russischen Geheimdienst, er wurde vom britischen Nachrichtendienst MI6 abgeworben. 2006 wurde er in Russland verurteilt, 2010 kam der Doppelagent im Zuge eines Agentenaustauschs nach Großbritannien. Dort wird er mit Nowitschok vergiftet. Er und seine Tochter überleben schwer verletzt, sind beide aber außer Lebensgefahr.

"Verräter enden immer schlecht."
Wladimir Putin, 2010

Der Kampfstoff war in der Sowjetunion entwickelt worden, er lähmt die Atemwege und führt zum Tod durch ersticken. Westliche Geheimdienste vermuten Russland hinter dem Attentat. Das weist die Anschuldigungen zurück. Der Fall führt zu diplomatischen Verwicklungen. So werden aus Großbritannien keine Vertreter der Politik und des Königshauses zur Männner-Fifa-Fußball-WM im Sommer nach Russland reisen.

Was hat der BND mit der Sache zu tun?

Bild: dpa

Der BND ist der deutsche Auslandsgeheimdienst. Nach den neuen Medienberichten ist er mitte der 90er-Jahre durch einen Überläufer aus Russland an den gefährlichen chemischen Kampfstoff gekommen. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingebunden gewesen, berichten die Medien unter Berufung auf Personen, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien. Wichtig: 

  • Das gerade wiedervereinte Deutschland wollte den Eindruck vermeiden, es strebe nach chemischen Kampfstoffen.
  • Die US-Truppen in Deutschland hatten damals mit der Operation "Lindwurm" gerade begonnen ihre Chemiewaffen aus den Depots im westpfälzischen Fischbach nahe Pirmasens bei Kaiserslautern außer Landes zu schaffen und zu vernichten. 
  • Westliche Experten werteten den Nowitschok-Fund aber als Beleg, dass Russland den Westen über das Ende seiner C-Waffen-Produktion getäuscht hatte.
    In der zerfallenden Sowjetunion war das Gift aber auch in Nachfolgestaaten der UdSSR gelangt, wie Russland im Fall Skripal betont.
"Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns selbst für solche Chemiewaffen interessieren"
Insider im BND-Fall

Nach den jetzt bekannt gewordenen Medienberichten war die damalige BND-Operation innerhalb der Bundesregierung umstritten. "Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns selbst für solche Chemiewaffen interessieren", wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert. Mit Wissen von Kanzleramt und Verteidigungsministerium sei die Probe in einem schwedischen Labor analysiert worden. Was aus der Probe wurde, ist unklar. Die heutige Bundesregierung bemühe sich nun, den Vorgang zu rekonstruieren.

Der BND verweigerte eine Stellungnahme.

Was folgt aus dem Fund für den Fall Skripal?

Wenig. Außer: 

  • Der gefährliche Kampfstoff konnte vagabundieren.
  • Die Kenntnisse aus dem BND-Fund halfen nun, den chemischen Kampfstoff im Fall Skripal in einem Schweizer Labor im Auftrag der UN-Organisation zum Verbot von Chemiewaffen (OPCW).
"Auch wenn er sich hier nur kurz aufhielt, soll seine Reise für die hiesigen Geheimdienste ein Gewinn gewesen sein"
Magazin "Respekt" über einen Besuch Skripals 2012 in Prag

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Skripal sich 2012 in Prag mit einem Agenten des tschechischen Geheimdienstes getroffen habe, berichtete das Magazin "Respekt". Es sei später zu einem weiteren Treffen gekommen. Bei dem Treffen sei es unter anderem um Enthüllungen zum russischen Spionagenetzwerk in Westeuropa gegangen.

Fazit: Der Fall Skripal bleibt mysteriös. Die Beschaffung von C-Waffen wirft aber Fragen mit Blick auf den BND auf. 1994 wurden auf dem Münchner Flughafen Reisende aus einem Flieger mit radiokativem Plutunium verhaftet. Unter Aufsicht des BND. Der wollte beweisen, dass aus den Alt-Beständen der zerfallenden Sowjetunion atomwaffenfähiges Material vagabundierte. 

(dpa, AFP)

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