Bild: The Canadian Press

Was wir über die Amokfahrt von Toronto wissen

23.04.2018, 20:0725.04.2018, 07:27

Was ist passiert

Ein Lieferwagen ist am Montagmittag (Ortszeit) in der kanadischen Metropole Toronto in eine Gruppe von Fußgängern gefahren. Auf einer Länge von etwa fünfzehn Blocks mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h raste er auf eine Bürgersteig und die er angrenzende Straße. Dabei wurden zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Das sagte Polizeisprecher Peter Yuen am Montag.

Diesen Lieferwagen steuerte M. in die Menschenmenge:

 
 Bild: Frank Gunn/The Canadian Press/AP
  • Fünf der Verletzten schweben in Lebensgefahr. (National Post)
  • Der Fahrer des offenbar gemieteten Transporters wurde binnen einer knappen halben Stunde festgenommen.
  • Augenzeugen berichteten von chaotischen Zustände am Ort des Geschehens.

In den Straßen von Toronto herrscht seit dem Angriff große Verunsicherung:

Bild: The Canadian Press

Der mutmaßliche Täter

"Diese Tat scheint eindeutig vorsätzlich gewesen zu sein."
Torontos Polizeichef Mark Saunders
  • Der Verdächtige heißt Alek M., ein 25-Jähriger aus dem Bezirk Richmond Hill.
  • M. sei der Polizei zuvor nicht aufgefallen, sagte deren Sprecher Mark Saunders
  • M. konnte nach der Amokfahrt rasch von der Polizei umzingelt und festgenommen werden.

War der mutmaßliche Todesfahrer von Toronto womöglich von Hass auf Frauen getrieben? Dies legt zumindest ein Facebook-Post nahe, den er kurz vor der Tat abgesetzt haben soll.

Wenige Minuten vor dem Verbrechen postete der Verdächtige Alek M. eine kryptische Facebook-Botschaft, die nahelegt, dass er womöglich Teil einer Online-Gruppe frustrierter Männer ohne Erfolg in Liebesdingen war, wie die Polizei am Dienstag mitteilte.

Hier findest du weitere Informationen zu dem möglichen Motiv: 

Die Festnahme

Es gibt ein Video von der Festnahme, das zeigt wie bedrohlich die Situation gewesen ist, und wie verwirrt M. offensichtlich war.

  • In der Hand, so zeigt das Video, hatte M. einen Gegenstand, den er wie eine Waffe hielt.
  • Er zielte damit auf einen Beamten und rief "Töte mich!", "Schieß mir in den Kopf!"
  • Immer wieder senkte er den Arm und riss ihn ruckartig wieder hoch.
  • Der Polizist schaffte es aber am Ende, den 25-jährigen Täter zu verhaften. Schüsse fielen keine.

So stellte ein tapferer Polizist den Täter in Toronto:

twitter.com/yahya_ibrahim

So reagiert die Regierung von Kanada

Regierungschef Justin Trudeau erklärte, er sei "zutiefst betrübt", dass sich in Toronto "ein tragisches und sinnloses Attentat" ereignet habe. 

Sein Regierung erklärte später, der Begriff "Attentat" bedeute nicht, dass es eine "terroristische Verbindung dahingehend gibt, dass die nationale Sicherheit bedroht" sei.

Die Lage in Toronto

Die betroffene Gegend Torontos im Stadtteil North York ist tagsüber belebt, dort liegen zahlreiche Geschäfte und Restaurants.

  • Die Situation sei unter Kontrolle, sagte Torontos Bürgermeister John Tory. "Die Stadt ist momentan in sicheren Händen", sagte Tory.
  • Die Opfer seien noch auf der Straße behandelt worden, sagte eine Sprecherin der Rettungskräfte. Augenzeugen zufolge waren auf der Straße mehrere Blutspuren zu sehen.

Der für die öffentliche Sicherheit zuständige Minister Ralph Goodale sagte, "auf der Grundlage aller verfügbaren Informationen" sei nicht davon auszugehen, dass eine Gefahr für die nationale Sicherheit bestehe.

Tory bat Anwohner dennoch, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. "Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten." Die Polizei sperrte die Gegend ab, auch der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen.

Was jetzt passiert

DerTäter ist mittlerweile einem Gericht vorgeführt worden. Man wirft ihm aktuell zehnfachen Mord vor.

Alek M. wird außerdem des mehrfachen versuchten Mordes beschuldigt, wie das Gericht in Toronto am Dienstag mitteilte.

(mbi/pb/ap/afp/dpa)

Hilfe bei Suizidgedanken:
Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, dich in einer ausweglosen Situation zu stecken? Wenn du dir im Familien- und Freundeskreis keine Hilfe suchen kannst oder möchtest – hier findest du einige anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichst du rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen du über deine Sorgen und Ängste sprechen kannst. Auch ein Gespräch via Chat oder E-Mail ist möglich. telefonseelsorge.de

Kinder- und Jugendtelefon: Der Verein "Nummer gegen Kummer" kümmert sich vor allem um Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 116 111. nummergegenkummer.de.

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