Die AfD ist im neuen Bundestag mit einer großen Fraktion vertreten, darunter sind auch viele neue Gesichter, unter anderem der Abgeordnete Torben Braga aus Thüringen. Der sorgte mit seinem Auftritt bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags für Kritik.
Der Grund ist eine kleine blaue Blume, die er sich in den Revers seines Anzugs gesteckt hatte, zu sehen auf einem auf der Plattform X kursierenden Bild, das Braga zusammen mit Fraktionschef Tino Chrupalla und dem AfD-Abgeordneten Robert Teske zeigt.
Der Historiker Jens-Christian Wagner ist sich sicher, dass Torben Braga das Symbol ganz bewusst eingesetzt hat. Die blaue Kornblume ist nämlich viel mehr, als nur eine Blume. Sie hat einen grausamen Hintergrund, der in die Zeit der NSDAP zurückführt.
"Die blaue Kornblume ist schon ziemlich lange ein Symbol der Rechten", erklärte der Publizist und Rechercheur Lucius Teidelbaum gegenüber der "Taz", als es 2019 bereits zu einem anderen Fall gab, in dem ein AfD-Politiker eine blaue Blume trug.
Die blaue Kornblume wurde von der später verbotenen NSDAP in Österreich in den 1930er Jahren als Erkennungszeichen genutzt. Zudem war sie Symbol der völkischen und antisemitischen Alldeutschen Vereinigung, die 1901 von dem antisemitischen Politiker Georg von Schönerer gegründet wurde – daher auch die Bezeichnung Schönerer-Bewegung.
Auf beide Punkte weist auch Wagner, der auch Leiter der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ist, gegenüber gegenüber der "Taz" hin. Durch das Tragen der blauen Blume im Bundestag habe Braga sich als "NSDAP-Anhänger" geoutet, sagt er. Er habe damit Antisemitismus, Rechtsextremismus und NS-Verherrlichung zum Ausdruck gebracht.
Der neue Abgeordnete Braga nennt es auf Nachfrage der Zeitung "völlig absurd", ihm zu unterstellen, sich positiv auf die NSDAP zu beziehen. Bei der Blume, die er in seinem Revers getragen hat, handele es sich nicht um eine blaue Kornblume. So äußert er sich auch auf Nachfrage einer Person auf der Plattform "Abgeordnetenwatch".
Aber um welche Blume handelte es sich dann? Darauf antwortete Braga der "Taz" nicht mehr.
Wagner sieht in der Reaktion des AfD-Abgeordneten das "übliche Spiel" der Partei. "Erst begeht man mit positiven Bezügen zum Nationalsozialismus einen Tabubruch, und wenn es dann berechtigte Kritik gibt, stellt man sich dumm und inszeniert sich als Opfer angeblicher Diffamierung."
Er ist sich sicher, dass Braga genau wusste, was er tut, als er sich mit der blauen Blume im Bundestag gezeigt hat. "So naiv, wie er sich jetzt darstellt, kann er gar nicht sein", sagt Wagner der "Berliner Zeitung", die den Historiker ebenfalls angefragt hatte. Der NS-Symbolik der Kornblume sei man sich im rechtsextremen und neurechten Milieu sehr bewusst.
Schon in der Vergangenheit haben AfD-Politiker:innen mit dem Tragen einer blauen Blume für Schlagzeilen gesorgt, so zum Beispiel Andreas Wild, der im Berliner Abgeordnetenhaus einen Ordnungsruf dafür erhalten hat.
Auch Wild behauptete, so wie Braga jetzt, dass es sich nicht um eine Kornblume gehandelt habe. Die versuchte Rechtfertigung brachte ihm juristisch nichts. Das Landesverfassungsgericht erklärte: "Der Präsident durfte das Tragen einer blauen Blume als bewusstes Tragen eines NSDAP-Symbols und Abzeichens der Schönerer-Bewegung verstehen." Der Ordnungsruf sei deshalb gerechtfertigt gewesen.