Er hatte es ja angekündigt: Die "Rückkehr zu einem alten Deutschland" versprach CSU-Chef Markus Söder nach dem Wahlsieg der Union vollmundig und meinte ergänzend – leicht widersprüchlich – ein "Deutschland der Normalität, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der einfachen Leute".
Am Dienstagmorgen konnte man dann bestaunen, was Markus Söder damit vorschwebt. Das normale, das alte, das einfache Deutschland ist, huch, ausschließlich männlich. Bei belegten Schnittchen und Filterkaffee trafen sich die Unionsspitzen im Adenauer-Haus. Sie heißen Martin, Markus, Alexander, Carsten, Friedrich und Thorsten.
Dass das ganze Auftreten womöglich etwas angestaubt wirken könnte und zu einem formvollendeten Revival der 90er lediglich die Mini-Playback-Show, Tamagotchis und Blümchen gefehlt hätten, darauf kam offenbar niemand der Beteiligten. Im Gegenteil: Die CSU postete das Bild auf Instagram und behauptete: "Wir sind bereit für einen Politikwechsel in Deutschland."
Ein Wechsel ist es tatsächlich, so wird der Frauenanteil im künftigen Bundestag um 3,8 Prozentpunkte zurückgehen, sodass lediglich 31,2 Prozent aller Abgeordneten Frauen sein werden – was maßgeblich dem Erstarken von Union und AfD geschuldet ist, die diesen Anteil in ihren Parteien noch einmal unterbieten.
Und so waren es auch Frauen, die zuvorderst prominent auf die Disbalance zwischen gesellschaftlicher und politischer Repräsentation in der Männerrunde aufmerksam gemacht haben. Die frühere Grünen-Parteivorsitzende Ricarda Lang erinnerte auf Bluesky an ein Zitat von Friedrich Merz und schrieb: "Die Quote schadet ja in allererster Linie den Frauen selbst."
Als es um eine mögliche paritätische Besetzung des künftigen Kabinetts ging, sagte Merz, dass man den Frauen "keinen Gefallen" täte, wenn sie lediglich aufgrund ihres Geschlechts besetzt würden. Die ehemalige ARD-Moderatorin Anne Will bemerkte jedenfalls, sie "verstehe die Aufregung nicht. Frauen sind doch mitgemeint".
An der Union scheint der Backlash zumindest nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Wie "Table Media" berichtet, möchten CDU und CSU auch "mehrere Frauen" an den Sondierungsgesprächen mit der SPD beteiligen. Im Gespräch seien Julia Klöckner, Dorothee Bär oder Karin Prien.
Aus dem Bericht geht hervor, dass der Auftakt zu den Sondierungen voraussichtlich am 6. März sein soll. Im Format 6 + 6 sollen laut SPD-Kreisen neben Lars Klingbeil Boris Pistorius, die bisherige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und die Ministerpräsident:innen Anke Rehlinger, Alexander Schweitzer und Stephan Weil dabei sein.
Das Problem: Weil die Unionsspitzen laut "Table Media" weiterhin an den Gesprächen beteiligt sein wollen und die CDU-Länder außerdem auf eine Berücksichtigung von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer pochen, sei nun von einer "erweiterten Sondierungsrunde" nun die Rede. Die endgültige Zusammensetzung stehe noch aus.