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SPD: Lars Klingbeil erhält vernichtendes Urteil in Umfrage

26.02.2025, Berlin: Lars Klingbeil, SPD-Bundesvorsitzender, spricht nach der Fraktionssitzung der SPD im Bundestag. Nach der Bundestagswahl wählte die SPD-Fraktion Lars Klingbeil als neuen Vorsitzende ...
Lars Klingbeil soll die SPD in die Zukunft führen.Bild: dpa / Michael Kappeler
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Lars Klingbeil soll die SPD erneuern: Umfrage zeigt düstere Vertrauenswerte

26.02.2025, 17:4326.02.2025, 17:48
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Obwohl die SPD bei der Bundestagswahl ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik eingefahren hat, hält sie weiterhin an ihrem Parteivorsitzenden Lars Klingbeil fest. Die Sozialdemokraten waren von 25,7 auf 16,4 Prozent abgestürzt, ihre Fraktion schrumpft von 207 auf 120 Mitglieder. Damit wurde sie auch von der in großen Teilen rechtsextremen AfD vom zweiten Platz verdrängt.

Trotz alledem möchte die SPD mit Klingbeil als Parteivorsitzender in die Zukunft gehen. Nicht nur das: Er hat seine Macht noch einmal stärken können. Nachdem Rolf Mützenich angekündigt hatte, nicht erneut für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren, wurde Klingbeil am Mittwoch mit 85,6 Prozent der Stimmen zum neuen SPD-Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Juso-Chef Türmer kritisiert SPD-Entscheidung für Klingbeil

An der Entscheidung hat sich allerdings auch innerparteiliche Kritik geregt. "Durch dieses Vorgehen entstand der fatale Eindruck: Als erste Reaktion greift einer der Architekten des Misserfolgs nach dem Fraktionsvorsitz", monierte der Juso-Vorsitzende gegenüber dem "Spiegel". Der frühere Parteistratege Matthias Machnig bezeichnete sein Verhalten als "eine Art Selbstermächtigung oder gar Bonapartismus".

Und auch die Wähler:innen scheinen skeptisch zu sein, ob es Lars Klingbeil gelingt, die Wende bei den Sozialdemokraten einzuleiten. Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat für watson vom 24. bis 26. Februar online rund 5000 Bundesbürger:innen ab 18 Jahren befragt, ob sie Klingbeil zutrauen, die SPD zu erneuern.

Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,5 Prozentpunkten (Gesamtergebnis). Die genaue Methodik gibt es hier.

Die Ergebnisse: Lediglich 28 Prozent sind demnach zuversichtlich, dass Klingbeil das Unterfangen gelingt, 54 Prozent trauen es ihm nicht zu und 18 Prozent sind unentschieden.

Noch verheerender sind die Ergebnisse mit Blick auf die Altersverteilung. Philipp Türmer scheint für seine Generation zu sprechen: Von den 18-29-Jährigen trauen lediglich 14 Prozent Lars Klingbeil zu, die SPD zu erneuern. 16 Prozent sind unentschlossen, und ganze 70 Prozent haben diesbezüglich kein Vertrauen in den neuen Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten.

SPD-Wähler mit dem größten Vertrauen in Lars Klingbeil

Am Optimistischsten ist noch die Gruppe der über 65-Jährigen. Da sind es immerhin 36 Prozent, die Klingbeil eine Erneuerung zutrauen – wobei immer noch 47 Prozent gegenteiliger Auffassung sind.

Schaut man sich die Auswertung verteilt nach Wahlabsicht an, ist die Zustimmung innerhalb der Gruppe, die angibt SPD wählen zu wollen noch am größten. 64 Prozent der SPD-Sympathisant:innen trauen Klingbeil die Erneuerung zu, 18 Prozent sind unentschlossen und 18 Prozent misstrauisch.

Das geringste Vertrauen haben AfD-Anhänger:innen mit 5 Prozent, gefolgt von der FDP mit 14 Prozent. Unter den Befragten, die es mit den Grünen halten, sprechen sich immerhin 40 Prozent für Klingbeil aus, 34 Prozent haben diesbezüglich kein Vertrauen.

So bescheiden dieser Umfrage zufolge auch der Rückhalt für Klingbeil ist: Seine Aufgabe wird es sein, die SPD in den Sondierungsgesprächen mit der Union zu führen. Er habe sich bereits mit Friedrich Merz ausgetauscht, sagte Klingbeil, es gehe nun um einen "Fahrplan für Gespräche".

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Er hatte es ja angekündigt: Die "Rückkehr zu einem alten Deutschland" versprach CSU-Chef Markus Söder nach dem Wahlsieg der Union vollmundig und meinte ergänzend – leicht widersprüchlich – ein "Deutschland der Normalität, der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der einfachen Leute".

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