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Trump-Akteure operieren in Grönland – Experte zieht Parallelen zu Putin

President Donald Trump talks with Russia's President Vladimir Putin Friday, Aug. 15, 2025, at Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
Donald Trump hat Wladimir Putin in den USA mit einem roten Teppich empfangen.Bild: AP / Julia Demaree Nikhinson
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Trump-Akteure operieren verdeckt in Grönland: Experte spricht von "Putins Drehbuch"

Ein dänischer Politologe sieht in den jüngsten US-Aktivitäten auf Grönland klare Parallelen zu russischen Methoden. Hintergrund sind Berichte des Rundfunks DR: Drei Männer aus Trumps Umfeld sollen auf der Insel verdeckt Stimmung machen.
29.08.2025, 12:1029.08.2025, 12:10
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Grönland ist die größte Insel der Welt, hat landschaftlich wie kulturell einiges zu bieten. Ihre Lage zwischen Nordamerika und Europa macht die Insel auch geopolitisch, militärisch und strategisch interessant. Aus imperialistischer Sicht, versteht sich.

Deshalb ist sie Gegenstand internationaler Machtspiele. US-Präsident Donald Trump hat ein Auge auf Grönland geworfen, daraus macht er seit Monaten keinen Hehl. Bereits Ende 2024 unterstrich Trump auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social, wie wichtig für ihn "Besitz und Kontrolle" Grönlands seien. Er sprach von "absoluter Notwendigkeit" und erwähnte mehrfach auch militärische Szenarien.

Laut "Euronews" mit Berufung auf den dänischen Rundfunk DR befinden sich drei US-Bürger mit direkter Nähe zu Trump auf "geheimer Mission" in Grönland. Quellen aus Regierungen und Behörden in Dänemark, Grönland und den USA berichten, dass diese Männer versuchen, auf der Insel Einfluss zu nehmen und Listen grönländischer Unterstützer:innen sowie Kritiker:innen der USA anzulegen. Die Männer selbst sprechen von "Infiltration" und "Einflussoperationen".

Das Ziel: Die Herzen und Köpfe der knapp 60.000 Einwohner:innen gewinnen und das Verhältnis zu Dänemark schwächen. Ein Experte zieht Parallelen zum russischen Machthaber Wladimir Putin.

Grönland: Trump-Akteure versuchen mutmaßlich, Einfluss zu üben

Dem Bericht zufolge verweisen die mutmaßlichen Trump-Akteure in Grönland wiederholt auf die dunklen Kapitel dänischer Kolonialpolitik: Zwangssterilisierungen, Zwangsadoptionen und die forcierte "Dänisierung" in der Geschichte der Region.

Diese historischen Verbrechen sind bis heute nur teilweise aufgearbeitet. Erst diese Woche entschuldigte sich Premierministerin Mette Frederiksen offiziell bei Grönländer:innen für die jahrelange Spiralen-Kampagne der 60er- und 70er-Jahre. Dass die Trump-nahen US-Akteure das Thema gezielt platzieren, dürfte politisch nicht zufällig sein.

Experte sieht in Trump-Plänen "hybride Kriegsführung"

Ulrik Pram Gad, Politikwissenschaftler am Dänischen Institut für Internationale Studien und einer der profiliertesten Kenner der dänisch-grönländischen Beziehungen, warnt im "Tagesspiegel" vor den möglichen Folgen.

Er spricht offen von "hybrider Kriegsführung": "Im Prinzip könnte es aus Putins Drehbuch stammen."

Trump verhalte sich zunehmend wie der russische Präsident, so Gad weiter: "In seinen Gedanken und Worten verhält er sich so. Bisher aber ohne Gewalt." Der Politologe macht deutlich: Die USA hätten offenbar erkannt, dass eine militärische Übernahme zu riskant wäre. Deshalb setzten sie nun darauf, "Herzen und Köpfe" der Menschen zu gewinnen.

Bislang gibt es keine Belege dafür, dass die drei Männer im Auftrag der US-Regierung handeln. Zur Wahrheit gehört aber auch: Gerade bei hybriden Einflussoperationen ist es äußerst schwierig, die Urheberschaft eindeutig zu erkennen oder endgültig zu beweisen. DR betont, dass es keinerlei klare Belege für eine direkte Beauftragung durch Washington gibt. Die US-Regierung selbst bezeichnete die Aktionen gegenüber Reuters als private Initiativen.

Trump-Pläne stoßen in Grönland und Dänemark auf Widerstand

Die Menschen in Grönland selbst zeigen bislang wenig Sympathie für Trumps Pläne. Eine repräsentative Umfrage von Epinion im Auftrag von DR ergab im Frühjahr: Nur sechs Prozent der Grönländer:innen befürworten eine Eingliederung in die USA. Rund 85 Prozent lehnten sie strikt ab. Auch in Dänemark kippte die Stimmung. Eine Erhebung des Instituts Voxmeter vom Januar 2025 zeigt: Fast die Hälfte der Dän:innen betrachtet die Vereinigten Staaten mittlerweile als Bedrohung.

15.08.2025, USA, Joint Base Elmendorf-Richardson: RECROP - US-Präsident Donald Trump (r) schüttelt die Hand des russischen Präsidenten Wladimir Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz auf der  ...
Aus seiner Bewunderung für Putin macht Trump keinen Hehl.Bild: AP / Jae C. Hong

In Kopenhagen sorgt die angebliche Einflusskampagne für scharfe Reaktionen. Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte gegenüber DR: "Jeder Versuch, sich in die inneren Angelegenheiten des Königreichs einzumischen, ist offensichtlich inakzeptabel." Sein Ministerium bestellte den ranghöchsten US-Diplomaten ein – ein Botschafter ist in Dänemark derzeit nicht im Amt.

Die US-Regierung reagierte noch am selben Tag und betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, man respektiere das Selbstbestimmungsrecht Grönlands: "Bei den fraglichen Aktivitäten handelt es sich um individuelle Initiativen privater Bürger:innen, nicht um staatliche Aufträge."

Trump in Grönland: Kampagne wird professioneller

Neueste Analysen bestätigen, dass die Strategie der USA in Grönland von einer Phase militärischer Drohpolitik zu einer langfristig angelegten Soft-Power-Offensive übergegangen ist. So berichtete das "Wall Street Journal" im Mai 2025, dass US-Geheimdienste systematisch Informationen über die grönländische Unabhängigkeitsbewegung sammeln.

So wollen sie demnach potenzielle Einflussnehmer identifizieren. Expert:innen sprechen von einer "Professionalisierung" der Kampagne, die gerade erst beginnt. Dass es aktuell ruhiger wirke, sei laut dänischen Sicherheitskreisen eher die Ruhe vor dem Sturm.

Rohstoffe und Militärbasis machen Insel zum geopolitischen Hotspot

Rohstoffe und Militärbasis machen die Insel zum geopolitischen Hotspot: Grönland verfügt über große Vorkommen an seltenen Erden und Lithium. Das sind entscheidende Rohstoffe für Batterien, Rüstungstechnologie und die Energiewende. Sowohl die USA als auch die EU buhlen um Zugang zu diesen Ressourcen.

Erst vor Kurzem wurde das US-Konsulat in Nuuk wiedereröffnet. Offiziell, um die Beziehungen zu stärken, aber auch als Zeichen für die wachsenden strategischen Ambitionen Washingtons.

Dazu kommt die militärische Dimension: Mit der Pituffik Space Base (ehemals Thule Air Base) betreiben die USA im Nordwesten Grönlands einen der wichtigsten Stützpunkte der Space Force. Hier laufen Raketenwarnsysteme und Weltraumüberwachung: ein unverzichtbares Sicherheitsnetz für Washington.

Ukraine präsentiert neuen Marschflugkörper mit gewaltiger Reichweite
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