Oh, in Deutschland wird eine Koalition verhandelt? Vor lauter internationaler Top-News sowie nach dem Bohei um das historische Schuldenpaket geraten die Gespräche zwischen SPD und Union derzeit von den Startseiten der Nachrichtenportale in den Politikreiter – auch in den Köpfen vieler Menschen.
Gleichzeitig dringen unzählige Verhandlungsinhalte an die Öffentlichkeit. Bei der Energiepolitik will die Union wohl einen historischen Richtungswechsel: Um die Klimakrise aufzuhalten, soll nicht mehr auf den stetigen Ausbau erneuerbarer Energien, sondern mittelfristig auf das Fantasieprojekt "Fusionsreaktor" gesetzt werden.
Das kann zwar funktionieren, liegt aber in sehr weiter Ferne, wenn man Expert:innen glaubt. Doch bei der lebt Union der Glaube an die "Technologieoffenheit" – auch wegen ihrer Abneigung gegen Windräder, für die es nun Spott von Harald Lesch gab.
Kürzlich hat sich das ARD-Magazin "Kontraste" sich mal den Plänen der Union für einen Umstieg auf Fusionsreaktoren angeschaut. Ausgangspunkt der Notwendigkeit: Doofe Windräder. Diese sieht Friedrich Merz als "Übergangstechnologie", wie er im November bei "Maybrit Illner" sagte.
Merz haute damals auch einen weiteren richtigen Wutbürger-Take raus:
Diesen Clip spielte "Kontraste" nun Physiker und ZDF-Moderator Harald Lesch vor. Er sitzt auch in der Expertenkommission Kernfusion der Bayerischen Staatsregierung – und musste angesichts von Merz' Utopie (für viele wohl eher: Dystopie) vom Windkraft-Abbau laut lachen.
Das spöttische Lachen sollte wohl für sich stehen, Lesch ergänzte anschließend: "Kein Kommentar."
Was Merz wohl erst vom Aussehen von AKWs, Kohlebaggern und tausenden Hektar Tagebau statt vorherigem Waldgebiet wie in Hambach hält, ist derweil unklar. Schwamm drüber, hier wird keine Energiequelle gebodyshamet.
Doch wie sieht es mittlerweile mit der Unionsposition zu Windrädern aus? Anscheinend stellen die Konservativen das Ziel von zwei Prozent von Fläche Deutschlands für den Ausbau von Windkraft infrage und wollen dieses kippen, wie unter anderem der "Spiegel" berichtet. Die SPD hält demnach bislang noch dagegen.
An den "schönen" Fusionsreaktoren wird in Deutschland derweil bereits an mehreren Orten geforscht. Es geht im Prinzip darum, dass leichte Atomkerne bei extrem hohen Temperaturen zu schwereren Kernen verschmelzen und dabei Energie freigesetzt wird. Klingt einfach, ist aber unheimlich kompliziert.
Vor allem die CSU setzt dennoch auf die Zukunftstechnologie. Wissenschaftsminister Markus Blume sagte dazu im "Kontraste"-Beitrag:
Physiker Reinhard Grünwald, der ausgerechnet im Auftrag des Bundestags eine Studie zu Fusionskraftwerken verfasst hat, meint: Es brauche mindestens 20 Jahren, um gerade einmal einen Demonstrationsreaktor fertigzustellen.
Anschließend müsse man ein passendes Kraftwerk bauen, das mithilfe der Kernfusion Strom erzeugt. "Auch nochmal etwa 20 Jahre" würde das laut Grünwald dauern.
Der vom Bundestag beauftragte Physiker rechnete dementsprechend vor: Um mit Fusionskraftwerken signifikante Mengen Energie zu erzeugen, brauche es statt 15 bis 20 Jahren eher 40 oder 50 Jahre. Haha. Kein Kommentar.