Die Kongresswahlen sind ein wichtiger Stimmungstest für Donald Trump.bild: imago
USA
Die US-Wahlen haben begonnen – und Umfrage-Institute haben 2 große Probleme
06.11.2018, 11:5006.11.2018, 13:53
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Die US-Zwischenwahlen haben begonnen. Um 11 Uhr öffneten im Bundestaat Vermont die ersten Wahllokale.
Zur Wahl stehen sämtliche 435 Abgeordnetenmandate im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Senatssitze. Außerdem finden in 36 Bundesstaaten Gouverneurswahlen statt. Mit ersten aussagekräftigen Ergebnissen wird in der Nacht zum Mittwoch deutscher Zeit gerechnet.
Als Donald Trumps Sieg bei der
US-Präsidentenwahl 2016 besiegelt war, wurden die Demoskopen zum
ersten Opfer seines Erfolgs. Überall im Land wurden die
Meinungsforscher kollektiv dafür gescholten, den Ausgang nicht
richtig vorhergesehen zu haben. Die meisten Umfragen hatten Hillary
Clinton vor Trump gesehen, wenn auch häufig nur knapp. Allerdings:
Zwei noch am Wahltag veröffentlichte Umfragen der University of
Southern California gemeinsam mit der "Los Angeles Times" sowie des
Institutes IBD/TIPP wähnten Trump vorn – und lagen richtig.
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Wiederholt sich die Misere bei den Midterms? Das ist der aktuelle Umfrage-Stand:
Das IBD-Institut, das damals den richtigen Riecher für
Trump bewies, sieht diesmal einen Neun-Punkte-Vorsprung für die
Demokraten. Das würde vermutlich für eine Übernahme der Mehrheit im
Repräsentantenhaus reichen, jedoch eher nicht für einen Machtwechsel
im Senat. Eine Vielzahl von Instituten ist auf dem Umfragemarkt
aktiv. Einige agieren mehr oder weniger offen im Auftrag der
Parteien.
Die zwei Probleme der Meinungsforscher:
Die Wahlbeteiligung: Sie ist der größte Unsicherheitsfaktor. Sie ist normalerweise bei Zwischenwahlen sehr gering. Diesmal zeichnet sich jedoch eine signifikant höhere Beteiligung ab – nicht zuletzt auf Grund bereits vorhandener Zahlen von Früh- und Briefwählern. Umfragen stützen sich zu einem guten Teil auf das Wahlverhalten der Vergangenheit als Basis.
Ändert sich jedoch die Zahl der Wähler signifikant, ist dieser Teil der Meinungsforschung nur noch bedingt belastbar – die Demoskopen müssen versuchen, mögliche Verzerrungen auszubalancieren.
Der Trump-Faktor: Meinungsforscher glauben auch, dass die Abstimmung über die Person des Präsidenten in diesem Jahr noch mehr im Zentrum steht als dies früher der Fall war. Dies könnte zu unterschiedlichen Effekten führen: Wenn es Trump in hohem Maße gelingt, seine Basis an die Wahlurne zu holen, würde das den Republikanern helfen.
Umgekehrt würde es ihnen schaden, wenn die Demokraten es schaffen sollten, die große Zahl der Trump-Gegner zu mobilisieren. Hinzu kommt eine massive Kluft zwischen den Geschlechtern, die für alle traditionellen Parteien-Milieus gilt: Frauen lehnen Trump mehrheitlich ab, Männer neigen eher dem Präsidenten zu.
Wo es knapp für Trumps Republikaner wird – und was das bedeutet
Meinungsforscher sehen in fünf Bundesstaaten noch Rennen um Senatssitze als unentschieden an – in Nevada, Missouri, Florida, Arizona und eben in Indiana, wo Trump ganz zum Schluss noch auftrat. Sollte es den demokratischen Bewerbern gelingen, all diese Sitze zu holen, könnte es zwar zum Patt im Senat kommen. Die Republikaner wären aber auch dann im Vorteil: Bei einem Patt entscheidet die Stimme von Vizepräsident Mike Pence im Senat.
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Schon eine Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus könnte für Trump aber unangenehm werden. Die Demokraten könnten dann zahlreiche Untersuchungen gegen ihn einleiten. Deren Ergebnisse könnten die Grundlage für ein Amtsenthebungsverfahren ("Impeachment") bilden, das mit der einfachen Mehrheit im Repräsentantenhaus zu beschließen wäre. Entschieden würde über eine Amtsenthebung allerdings im Senat, wofür dort eine Zweidrittelmehrheit nötig wäre. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint eine solche Mehrheit schwerlich denkbar.
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