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Die CSU so: 🤐, die SPD so: 😅 und die Opposition schießt gegen Merkel

29.06.2018, 13:0329.06.2018, 13:34

Angela Merkel hat es geschafft. Sie hat ihre "europäische Lösung" bekommen. In der vergangenen Nacht haben die EU-Staats- und Regierungschefs sich auf eine gemeinsame Asylpolitik verständigt. Dafür gibt es nun Zustimmung, Kritik und bedächtiges Schweigen aus der CSU.

Was sagt Horst Seehofer eigentlich dazu?

Horst Seehofer.
Horst Seehofer.
Bild: reuters

Bislang nichts. Er ließ eine Sprecherin seines Bundesinnenministeriums mitteilen, dass er den Gipfel nicht anhand von Pressemitteilungen und Abschlusserklärungen bewerten, sondern mit Kanzlerin Angela Merkel und anderen Beteiligten sprechen wolle.

Und Markus Söder?

Markus Söder.
Markus Söder.
Bild: reuters

Auch der bayerische Ministerpräsident will die Ergebnisse des Treffens noch nicht bewerten. Der CSU-Politiker sagte in München:

"Der Gipfel läuft noch. Lassen Sie uns den Gipfel zu Ende gehen und danach in Ruhe vernünftig bewerten."
Markus Söder

So steht die SPD zu der Einigung:

Andrea Nahles.
Andrea Nahles.
Bild: dpa

Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Migration begrüßt und die Union zur Beilegung ihres Streit um die Flüchtlingspolitik aufgerufen. "Die SPD begrüßt, dass wir eine europäische Lösung haben in Bezug auf die Migration", sagte Nahles am Freitag in Berlin

"Wir sind froh, dass es eine Lösung mit Europa und nicht gegen Europa gibt. Nationale Alleingänge lehnen wir strikt ab."
Andrea Nahles

Als wichtige Festlegungen des EU-Gipfels nannte Nahles:

  • eine bessere Sicherung der EU-Außengrenzen
  • Investitionen in die Bekämpfung von Fluchtursachen
  • einen solidarischeren Umgang mit den Hauptankunftsländern in der EU wie Italien

Nahles verwies in dem letzten Punkt auf das Vorhaben, Aufnahmelager in anderen EU-Staaten zu errichten. "Europa übernimmt hier mehr Verantwortung, auch das finden wir richtig", sagte sie.

Die SPD-Vorsitzende unterstrich jedoch auch, dass ihre Partei "klare Vorstellungen" habe hinsichtlich der Ausgestaltung dieser Zentren. "Wir dringen ausdrücklich darauf, dass wir, was die humanitären Standards angeht, bei der Unterbringung und der Versorgung der Menschen, die dort ankommen, wirklich die Qualität verbessern." Auch müsse es dort "rechtsstaatliche und zügige Verfahren" geben.

Nahles begrüßte zudem die Festlegung der Staats- und Regierungschefs, die Migration von Flüchtlingen innerhalb der EU-Staaten zu vermeiden. "Die Innenminister sollen das jetzt in die Hand nehmen und dort weitere Vorschläge machen und das im Detail ausgestalten", sagte sie.

Die Opposition sieht das naturgemäß anders

 

Christian Lindner.
Christian Lindner.
Bild: dpa

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat die Beschlüsse des EU-Gipfels zur Asylpolitik als "vage und unkonkret" kritisiert. "Dieser Gipfel ist für uns leider kein Durchbruch, sondern nur ein Schritt auf dem Weg hin zu einem europäischen Asylsystem", sagte er am Freitag in Berlin. Nach wie vor fehle es an konkreten Vorgaben, beklagte Lindner. 

"Mit vagen Ankündigungen, mit abstrakten Zielbeschreibungen und mit der Methode der Freiwilligkeit wird man nicht die Ordnung in Europa erreichen, die wir brauchen, um unsere Freiheit ohne Schlagbäume auf diesem Kontinent zu sichern."
Christian Lindner
Anna-Lena Baerbock
Anna-Lena Baerbock
Bild: dpa

Deutliche Kritik kam auch von den Grünen. Die Grünen-Vorsitzende Anna-Lena Baerbock sagte am Freitagmittag laut einer Presseerklärung:

"Die Gipfelergebnisse schaffen weder Humanität, noch Solidarität, noch Ordnung. Europa droht sich weiter von seinem Wertegefüge zu verabschieden. Denn wer auf Rückführungen auf hoher See setzt, darauf, Menschen an die lybische Küstenwache zu überführen, der bricht mit dem Völkerrecht. 
Anna-Lena Baerbock

Auch die geplanten Auffanglager außerhalb Europas seien mit dem Völkerrecht nicht vereinbar, so Baerbock.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht
Bild: imago stock&people

Auch die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hält die Ergebnisse des EU-Gipfels für inakzeptabel. So seien etwa Flüchtlingslager in Libyen die "Bankrotterklärung eines Europa, das sich auf bestimmte Werte stützt", sagte Wagenknecht am Freitag in Berlin. In einem Land, in dem von Rechtsstaatlichkeit keine Rede sein könne, sei auch die Durchführung von regulären Asylverfahren ausgeschlossen. Darüber hinaus seien beim EU-Gipfel die meisten Fragen offen geblieben.

"Geklärt ist eigentlich nur, dass die EU jetzt sehr massiv auf Abschottung setzen wird."
Sahra Wagenknecht

(fh/dpa/afp/rtr)

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