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Bild: watson/montage
Deutschland

So versuchen Aktivisten in Bayern gerade die Bienen vor dem Sterben zu retten

31.01.2019, 09:3531.01.2019, 12:50

Das Bündnis setzt auf klare Worte. Nacheinander schlittern sie über den Bildschirm. "Rettet die Bienen!" steht da in fetten blauen Buchstaben, "Eintragen!" rutscht in dickem rot ins Bild. Von "unsere(r) historische(n) Chance" ist die Rede und: "Wir retten die Artenvielfalt." 

Es geht den Werbern darum, Bayerns Bürger für ihr "Volksbegehren Artenvielfalt" zu begeistern. Ein riesiges Bündnis mit 170 Unterstützern und 80 Aktionsbündnissen in den bayerischen Gemeinden hat es ins Leben gerufen. Darunter befinden sich so ziemlich alle Umwelt-Organisationen der Republik – vom Bund Naturschutz bis hin zu den Grünen und der Ökologisch-Demokratischen Partei Bayern (ÖDP).

Letztere, manche werden sich erinnern, haben vor Jahren von Bayern aus die deutschlandweite Diskussion um das Rauchverbot in Kneipen ins Rollen gebracht. Auch damals begann alles mit einer Unterschriftenaktion.

In Bayern, so schreiben die Initiatoren heute, verschwinden gerade dutzende Tier- und Pflanzenarten und sterben schlicht aus. "Besonders betroffen sind Insekten, die um ca. 75 % zurückgegangen sind", heißt es beim Aktionsbündnis. Seinen Unterstützern erklärt es die Folgen mit einer Windschutzscheibe:

"Jeder, der mit dem Auto unterwegs ist, erlebt diesen Bestandsrückgang: Während früher die Windschutzscheibe mit toten Insekten bedeckt war, kann man heute wochenlang fahren ohne das Fenster zu putzen. Der Rückgang der Insekten verläuft zeitgleich mit dem Rückgang blühender Wiesen und anderer natürlicher Lebensräume, welche die Insekten für Nahrung und Fortpflanzung benötigen."
Volksbegehren Artenvielfalt

Ohne Insekten geht auch die Nahrungskette kaputt und zahlreiche Tiere und Pflanzen verschwinden, deshalb will das Aktionsbündnis jetzt reagieren. Ab Freitag können sich die Bürger in Bayern bei ihren Rathäusern für das Volksbegehren eintragen.

Bereits im Oktober hatten 100.000 Menschen unterschrieben, um es auf den Weg zu bringen. Jetzt müssen sich eine Millionen Wahlberechtigte in den Rathäusern melden, um ein neues Naturschutz-Gesetz auf den Weg zu bringen. 

Das ist die Küste von Santo Domingo – mit Wellen voller Müll

Video: watson/Lia Haubner

Was im Gesetz stehen soll:

  • Gründlandflächen sollen weniger oft gemäht werden, um den Insekten mehr Zeit auf der blühenden Wiese zu verschaffen.
  • Landwirte sollen ihre Äcker nicht mehr am Rand von Gewässern bestellen. Mit einer so entstehenden Schutzzone könnten Dünger und Pestizide aus dem Wasser rausgehalten werden.
  • Bis 2025 sollen mindestens 20 Prozent der Landwirtschaft in Bayern über ökologischen Landbau laufen.
  • Bis 2030 dann sogar 30 Prozent.

Zum Vergleich: Gerade bewirtschaften die bayerischen Landwirte ihre Ackerfläche zu ungefähr zehn Prozent ökologisch.

Das neue Gesetz wäre in ihrem Sinne. Der Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) befürwortet deshalb die Veränderungen. Er sieht das Volksbegehren als Möglichkeit, dem "Höfesterben" entgegenzuwirken, zitiert der BR. Ein neues Öko-Gesetz biete den Bauern die Möglichkeit, wieder anständige Preise für ihre Produkte zu verlangen.

Anders sieht das der Bayerische Bauernverband. Er warnt vor dem Ausbau der ökologischen Landwirtschaft: Es fehle schlicht an ausreichender Nachfrage nach Biolebensmitteln.

(mbi)

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