Warum nach Luftangriffen im Jemen die Leben von 300.000 Kindern bedroht sind

14.06.2018, 09:4414.06.2018, 10:37

Regierungstruppen im Jemen haben am Mittwoch trotz internationaler Warnungen vor einer humanitären Katastrophe mit einer Offensive auf die strategisch wichtige Hafenstadt Hodeida begonnen.

Mit Unterstützung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) rückten Soldaten am Mittwoch auf den Flughafen der von Huthi-Rebellen kontrollierten Stadt vor. Dabei seien vier Soldaten der Emirate getötet worden, hieß es in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur WAM verbreiteten Armee-Mitteilung.

Darum ist die Offensive auf die Stadt so fatal:

  • Über den Hafen Hodeida wird ein Großteil der humanitären Hilfe für das notleidende Land geliefert.
  • Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen fürchten, dass die Kämpfe um Hodeida die Hilfslieferungen gefährden, auf die Millionen Menschen im Jemen angewiesen sind.
  • Die Hilfsorganisation "Save the Children" warnte, durch die Kämpfe seien in Hodeida etwa 300.000 Kinder in großer Gefahr. Familien drohten, ins Kreuzfeuer zwischen Rebellen und Regierungstruppen zu geraten. Zudem sei zu befürchten, dass der Hafen für Hilfslieferungen geschlossen werde.
Der Hafen von Hodeida.
Der Hafen von Hodeida.
Bild: reuters

Der UN-Sicherheitsrat soll laut Diplomatenkreisen wegen der Offensive am Donnerstag zu einer Sitzung zusammenkommen. Das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich "sehr besorgt über die aktuellen Entwicklungen in Hodeida". Ein Sprecher appellierte an "alle Konfliktparteien den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten". Die Kämpfe drohten "die laufenden Vermittlungsbemühungen des UN-Sondergesandten Martin Griffiths weiter zu erschweren".

So verlief die Militäroffensive:

Nach Armeeangaben begann die Offensive am Mittwochmittag, nachdem die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition "grünes Licht" gegeben hatte. Aus Militärkreisen hieß es, die Allianz habe in den Stunden zuvor 18 Luftangriffe auf Huthi-Stellungen in den Vororten Hodeidas geflogen.

Nach Angaben von Medizinern wurden bei diesen Angriffen in den vorangegangenen 24 Stunden 22 Huthi-Kämpfer getötet. Drei regierungsnahe Kämpfer seien in einem Hinterhalt südlich der Stadt am Roten Meer getötet worden.

Jemenitische Rebellen in der Hauptstadt Sanaa.
Jemenitische Rebellen in der Hauptstadt Sanaa.
Bild: AP

Das passierte vorher:

Jemens Regierung begründete die Offensive damit, dass Verhandlungen mit den Huthi-Rebellen zum Abzug aus Hodeida gescheitert seien. "Alle politischen und friedlichen Mittel sind erschöpft", erklärte die Regierung.

Die Regierungstruppen hatten Ende Mai einen ersten Angriff auf die Hafenstadt gestartet, die seit 2014 von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert wird. Ziel ist die Rückeroberung der Stadt. Die Militärkoalition beschuldigte die Rebellen, über den Hafen iranische Waffen zu importieren – insbesondere ballistische Raketen, mit denen die Milizen zuletzt häufiger Ziele in Saudi-Arabien angegriffen haben. 

Der Krieg im Jemen
Der Jemen gilt als das Armenhaus der Arabischen Halbinsel. Er gehört weltweit zu den Ländern, die am stärksten auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind. Das Land leidet seit Jahrzehnten unter Nahrungs- und Wasserknappheit. Die schiitischen Huthis nutzten die desolate Lage 2015 aus und rebellierten gegen die sunnitische Regierung. Im März 2015 startete eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition Luftangriffe auf die Huthis. Die humanitäre Lage im Land verschlechterte sich durch den Bürgerkrieg zunehmend. Seit Beginn des Konflikts wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 10.000 Menschen getötet und mehr als 55.000 weitere verletzt. Außerdem starben mehr als 2200 Menschen an Cholera. Die UNO beschreibt die humanitäre Krise im Jemen als die derzeit größte weltweit. 8.4 Millionen Menschen sind demnach von einer Hungersnot bedroht.

(fh/afp/dpa)

Analyse

Prozess um die islamistischen Anschläge von Paris im Jahr 2015: Sind die Terrorjahre in Europa vorbei?

Knapp sechs Jahre ist die Terrornacht von Paris mittlerweile her. Islamistische Terroristen töteten am 13. November 2015 bei einer Anschlagsserie 130 Menschen – im Konzertsaal "Bataclan", in Restaurants und am Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis. 350 wurden verletzt. Sechs Selbstmordattentäter sprengten sich in die Luft, mehrere Menschen feuerten aus Gewehren auf Passanten.

Am Mittwoch begann der Gerichtsprozess um die Attentate. Angeklagt sind insgesamt 20 Verdächtige. Salah Abdeslam …

Artikel lesen
Link zum Artikel