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Russland und Belarus planen eigene KI – Alternative zu Musks Grok

13.03.2025, Russland, Moskau: Der russische Präsident Wladimir Putin, links, begrüßt den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko während ihres Treffens im Großen Kremlpalast in Moskau, Russla ...
Brüder im Geiste: Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko.Bild: Pool Reuters / Maxim Shemetov
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Russland und Belarus planen eigene KI auf Basis "traditioneller Werte"

Eine KI, die "keine Pseudoaktivität" fördert und vor "geistiger Manipulation" schützt? Russland und Belarus entwickeln ein System nach eigenen Werten. Als Gegenentwurf zu Musk, ChatGPT und Co.
13.07.2025, 14:1513.07.2025, 14:15
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Es ist ein alter Reflex in neuen Gewändern: Wenn die technologische Zukunft sich nicht lenken lässt, wird sie mit Sinn aufgeladen. Wer die Daten hat, hat die Deutungshoheit. Und wer die Deutungshoheit verteidigen will, braucht Werte. Am liebsten traditionelle.

Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt im Vagen, doch gerade das macht sie politisch anschlussfähig. Wenn Russland und Belarus also eine eigene künstliche Intelligenz (KI) entwickeln wollen, eine, der man "vertrauen kann", wie es heißt, dann geht es nicht nur um Technik. Es geht um eine ideologische Grenzziehung im digitalen Raum.

Russland und Belarus: "souveräne KI, der man vertrauen kann"

Wie die belarussische Staatsagentur BelTA berichtet, planen Russland und Belarus den gemeinsamen Aufbau eines KI-Systems, das auf sogenannten traditionellen Werten beruht. Der Vorstoß wurde von Sergej Glasjew, dem Staatssekretär des Unionsstaates, auf einer Konferenz in Witebsk vorgestellt.

Ziel sei es, "eine souveräne KI zu entwickeln, der man vertrauen kann, auf die man sich verlassen kann und die objektive Informationen liefert", sagte Glasjew laut BelTA.

Glasjew warnte davor, dass westliche KI-Systeme junge Menschen manipulieren würden. Er sagte:

"Unsere Jugend nutzt heute hauptsächlich ausländische KI-Chats – amerikanische und chinesische. (...) Nicht jeder versteht, dass wir durch das Vertrauen in KI unser Bewusstsein weitgehend manipulieren."

Glasjew adressiert wohl Elon Musks Chatbot Grok

Dabei bezog er sich auf eigene Aussagen zufolge durchgeführte Tests, bei denen "einer der bekanntesten Chats in Rassismus, Nationalsozialismus und die Verherrlichung des Faschismus versunken ist". Belege oder Details nannte er nicht.

Gemeint ist aber mutmaßlich Elon Musks Chatbot Grok, der antisemitische Inhalte und Hitler-Verherrlichung verbreitet hatte. Auch die Plattform X hat sich seit Musks Übernahme zu einem Sammelbecken für rechtsextreme Narrative und Verschwörungserzählungen entwickelt.

Für Glasjew ein willkommenes Beispiel, um seine Forderung nach einer ideologisch sauberen Alternative zu untermauern: "Wir müssen sehr vorsichtig sein, welche Werte in Künstliche Intelligenz eingebettet werden."

Etwas ironisch, schließlich verbreiten jene KIs bereits ideologisch verwandte Weltbilder, die mutmaßlich auch von russich-belarussischer Seite propagiert würden.

Russland setzt auf "digitale Souveränität"

Der Vorstoß ist eingebettet in den seit Jahren propagierten Begriff der "digitalen Souveränität". Seit dem Krieg gegen die Ukraine und der darauffolgenden Sanktionswelle hat Russland seine technologischen Abhängigkeiten vom Westen massiv reduziert.

Parallel wurde der Aufbau eines eigenen Informations- und Kulturraums innerhalb des Unionsstaats vorangetrieben, samt Sprachmodellen, Suchmaschinen und Social-Media-Netzwerken.

Wenig überraschend: Eine Studie der Universität Gent stellte jüngst fest, dass Russlands größte Sprachmodelle, YandexGPT und GigaChat, unter allen getesteten KI-Modellen weltweit die stärkste politische Zensur aufwiesen, wie die "Moscow Times" berichtet.

Die Programme wichen systematisch politisch sensiblen Fragen aus oder verwiesen auf externe Quellen.

Was genau nun unter den "traditionellen Werten" zu verstehen ist, bleibt auch in Glasjews Ausführungen unklar. Allerdings, sagte Glasjew, dürfe sich Kulturpolitik nicht in der Pflege von Denkmälern oder Gedichten erschöpfen.

Auch digitale Kreativität müsse gelenkt werden. Auf einer geplanten Plattform mit dem Namen "Wir gestalten gemeinsam die Zukunft" sollen Jugendliche künftig Ideen und Inhalte teilen und so das Bild eines kulturell homogenen Unionsstaats mitformen.

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