Nick Cave verteidigte seine Entscheidung, in Israel aufzutreten.
Nick Cave verteidigte seine Entscheidung, in Israel aufzutreten.
Bild: imago stock&people

"Feige und beschämend" – was Nick Cave zum kulturellen Boykott Israels sagt

12.12.2018, 17:0913.12.2018, 11:51

Der australische Künstler Nick Cave spielte im November 2017 in Tel Aviv mit seiner Band The Bad Seeds ein Konzert – und erhielt massive Kritik von Künstlern, die sich der israelischen Besetzung palästinensischer Gebiete widersetzen und sich weigern, in dem Land aufzutreten.

Nun hat Cave seine Haltung zum Nahostkonflikt erneut näher erläutert und den kulturellen Boykott Israels als "feige und beschämend" bezeichnet.

Nachdem ihn ein Fan fragte, was er von der Sichtweise des Musikers Brian Enos gegenüber Israel halte, veröffentlichte der Musiker eine E-Mail, die er an den Boykott-Unterstützer  Eno schrieb.

"Ich unterstütze die derzeitige Regierung in Israel nicht, akzeptiere aber nicht, dass meine Entscheidung, im Land zu spielen, eine Art stillschweigende Unterstützung für die Politik dieser Regierung ist", schrieb Cave und fügte hinzu, er unterstütze "die palästinensische Sache und das palästinensische Leiden. "

Es brauche eine "umfassende und gerechte Lösung, die auf beiden Seiten einen enormen politischen Willen mit sich bringt". Der Boykott "ist zum Teil der Grund, warum ich in Israel spiele – nicht als Unterstützung für eine bestimmte Politik, sondern als eine grundsätzliche Haltung gegen diejenigen, die Musiker schikanieren, beschämen und zum Schweigen bringen wollen“.

An dieser Stelle macht Cave auf seine eigene Wohltätigkeitsarbeit aufmerksam. Ca. 166.000 Euro habe er für die Pro-Palestine Hoping Foundation gesammelt.

Kritiker sollten „nach Israel gehen und der Presse und dem israelischen Volk mitteilen, wie sie sich wegen des derzeitigen Regimes fühlen“.

Cave fragt: „Was hat uns an den Punkt gebracht, an dem bestimmte Musiker glauben es sei ethisch vernünftig, Formen von Zwang und Einschüchterung in "offenen" Briefen gegen Mitmusiker einzusetzen, weil diese mit ihrem Standpunkt nicht einverstanden sind?"

"Ich konnte meine israelischen Fans einfach nicht mit der nötigen Verachtung, wie Brian Enos Bitten, behandeln."

Musiker Brian Eno sieht das grundlegend anders: "Das hat nichts mit 'Stummschalten' von Künstlern zu tun – eine Anklage, die ich eher irritierend finde, wenn sie in einem Kontext verwendet wird, in dem einige Millionen Menschen dauerhaft und grotesk zum Schweigen gebracht werden... Israel hat den kulturellen Austausch konsequent und großzügig als eine Form der "Hasbara"-Propaganda genutzt, um das Image des Landes im Ausland zu verbessern und, wie ein Beamter des Außenministeriums sagte, das hübschere Gesicht Israels zu zeigen. Die BDS-Kampagne bittet die Künstler lediglich, nicht an dieser Propagandakampagne teilzunehmen."

Zuspruch für seine Haltung erhielt Cave von Sänger Thom Yorke. Der Radiohead-Sänger sagte: "In einem Land zu spielen bedeutet nicht, seine Regierung zu unterstützen." Etliche Musiker sagten ihre Auftritte in Israel ab,nachdem sie über den Boykott und den Konflikt zwischen Israel und Palästina gesprochen hatten.

So sagte beispielsweise Lorde ein Konzert in Tel Aviv ab, das für Juni 2018 geplant war. Die Popsängerin Lana Del Rey hielt hingegen zuerst an ihren geplanten Konzerten fest. Ihr Lösungsansatz damals: Sie werde "mit liebevoller Energie und thematischer Betonung des Friedens" auftreten. Später sagte die Musikerin dann doch noch ab, weil sie nicht in der Lage war, auch in den Palästinenser-Gebieten ein Konzert anzubieten.

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