
Waffen-Aktivist Cody Wilson mit seiner Pistole aus dem 3D-Drucker.Bild: screenshot: youtube/montage: watson
International
Immer wieder richten Todesschützen in den USA Massaker an, trotzdem
sind Waffen in Amerika leicht zu bekommen. Eine
Organisation will nun Waffenpläne für 3D-Drucker ins Netz stellen – und damit ein neues Zeitalter der Waffenkultur in den USA einläuten.
- 10 Tote bei einer Schießerei an einer High School in Santa Fe im Mai.
- 17 Tote an einer Schule in Parkland im April.
- 59 Tote bei einem Musikfestival in Las Vegas im Oktober 2017.
Die Liste
von Massakern in den USA, bei denen Angreifer wahllos das Feuer
eröffnet haben, könnte man beliebig fortsetzen. Aus europäischer
Sicht sind die Waffengesetze in den USA – wo das Recht, eine Waffe zu
tragen, in der Verfassung festgeschrieben ist – absurd lax.
Und jetzt kommt eine neue Dimension hinzu: Eine Organisation in Texas hat
angekündigt, an diesem Mittwoch Baupläne ins Netz zu stellen, mit denen
sich eine Schusswaffe am 3D-Drucker herstellen lässt.
"Das Zeitalter der herunterladbaren Waffe beginnt offiziell."
heißt es auf der Internetseite von Defense Distributed.
Das Motto der
Organisation: "Entwicklung von privater Verteidigungstechnologie im
öffentlichen Interesse."
Die Initiative geht auf einen Mann zurück
Dahinter steht ein Mann namens Cody Wilson. Er hatte bereits 2013
Pläne für seine Waffe aus dem 3-D-Drucker veröffentlicht: Der "Liberator" ("Befreier") ist eine einschüssige Pistole fast ganz aus
Plastik, die von Metalldetektoren kaum erkannt und mangels
Seriennummer nicht zurückverfolgt werden kann.
Allerdings zwang die damalige Regierung von Präsident Barack Obama Wilson schon nach wenigen Tagen, die Pläne wieder aus dem
Netz zu nehmen. Mit Unterstützung der Waffenlobby-Organisation Second
Amendment Foundation klagte Wilson, aber ohne Erfolg. Trotzdem
schloss die Regierung von Präsident Donald Trump – zu dessen
Unterstützern die Nationale Schusswaffenvereinigung NRA gehört – Ende
Juni überraschend einen außergerichtlichen Vergleich. Nicht nur darf
Wilson demnach Pläne für Waffen aus dem 3D-Drucker online stellen,
den Klägern wurden noch dazu fast 40.000 Dollar zugesprochen.
Die Second Amendment Foundation feierte den Vergleich als "einen
vernichtenden Schlag für die Waffenverbotslobby". Wilson sagte dem
Portal Vice News, die Regierung müsse aus bestimmten Bereichen
herausgedrängt werden.
"Das sind strategische Formen virtueller Anarchie."
Die Organisation Everyday Gun Safety – die schärfere Waffengesetze befürwortet – warnt, die Erlaubnis für Wilson
ermögliche Terroristen, verurteilten Straftätern und anderen
Verbrechern, Pläne herunterzuladen und ihre eigenen nicht
zurückverfolgbaren Schusswaffen zu drucken.
Kaum verwunderlich, dass auch Sicherheitskräfte schwere Bedenken
haben. So sagt etwa Richard Myers, Direktor der Polizistenvereinigung
Major Cities Chiefs Association: "3D-gedruckte Handfeuerwaffen sind darauf ausgelegt, traditionelle Waffenerkennungssysteme zu umgehen."
2013 feuerte Cody Wilson seine Waffe zum ersten Mal erfolgreich ab:
Gegner sehen Gefahr für die öffentliche Sicherheit
Es gebe also Grund zur Sorge, dass diese "Geisterwaffen" sich
verbreiten und die öffentliche Sicherheit in vielen Ländern
gefährden.
Alarmierte Gegner einer Veröffentlichung von Waffenplänen machen
mobil: Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Washington, Bob
Ferguson, teilte am Montag (Ortszeit) mit, er verklage die
Trump-Regierung wegen des Vergleichs vor einem Bundesgericht in
Seattle. Sieben Bundesstaaten und der Hauptstadtdistrikt Washington
hätten sich angeschlossen. Ferguson forderte das Gericht auf, noch
vor Mittwoch eine einstweilige Verfügung zu erlassen, um die
Veröffentlichung der Pläne zu stoppen.
Außerdem schickten die Generalstaatsanwälte von 20 Bundesstaaten und
des Hauptstadtdistrikts einen Brandbrief an Justizminister Jeff
Sessions und Außenminister Mike Pompeo. In dem Schreiben heißt es,
die Veröffentlichung der Waffenpläne könnte "eine beispiellose
Auswirkung auf die öffentliche Sicherheit haben".

Herkömmliche Pistolen und andere Schusswaffen sind in den USA sowieso egal. Der Unterschied zu 3D-gedruckten Waffen aus Plastik: Sie lassen sich von Metalldetektoren erkennen.Bild: iStockphoto/Getty Images
Gedruckte 3D-Waffen könnten sich noch weiter verbreiten
Doch Wilson macht keine Anzeichen klein beizugeben. "DAS ist der
Kampf", schrieb er auf Twitter. Unabhängig vom 3D-Druck ist es in den
USA legal, sich selber eine Schusswaffe zu bauen. Wilson verkauft
über eine separate Firma Bausätze, Software und eine spezielle
CNC-Werkzeugmaschine für solche Waffen, die nicht aus dem 3D-Drucker
kommen. Im Angebot ist auch ein Bausatz für ein halbautomatisches
Sturmgewehr, das dem AR-15 nachempfunden ist. Damit mordeten unter
anderem die Todesschützen in Parkland und Las Vegas.
So großartig legt Sacha Baron Cohen amerikanische Waffenlobbyisten rein:
Noch sind die Kosten für 3D-Drucker hoch, höher jedenfalls als die
für eine Pistole auf dem Schwarzmarkt. Schusswaffen aus Metall sind
außerdem viel zuverlässiger und haltbarer als der "Liberator" aus
Plastik. Doch beim "Liberator" dürfte es kaum bleiben, schon jetzt
können registrierte Nutzer auf der von Wilson betriebenen Seite
eigene Pläne für Waffen aus dem 3D-Drucker hochladen.
Wilsons Initiative könnte tatsächlich den Beginn einer neuen, einer
gefährlichen Ära markieren - bei der sich irgendwann jeder die Waffe
seiner Wahl bequem zu Hause ausdrucken kann. Unter dem "Liberator" kommentiert ein Besucher der Seite, die Pistole "symbolisiert die
Befreiung von einer unterdrückerischen Regierung". Und ein anderer
Nutzer meint: "Verabschiedet Euch von Waffenkontrolle."
(pb/dpa)
So demonstrierten Amerikaner beim "March For Our Lives" für strengere Waffengesetze:
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Die besten Protestschilder des March For Our Lives
"Arme (engl. für Waffen) sind zum Umarmen da."
quelle: instagram/respect.education.foundation