U.S. President Donald Trump talks to Turkey’s President Recep Tayyip Erdogan at NATO headquarters in Brussels, Belgium July 11, 2018. Tatyana Zenkovich/Pool via REUTERS
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International

Erdogan kontert Trump – 4 Fakten zu dem Streit unter Nato-Partnern

04.08.2018, 14:44

Kommt den USA ein wichtiger Verbündeter in einer strategischen Region abhanden? Der Konflikt zwischen der Türkei und den USA spitzt sich zu. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan verhängte am Samstag Sanktionen gegen zwei US-Minister, zuvor hatten die USA zwei türkische Regierungsmitglieder mit Restriktionen belegt hatten.

Es knirscht:

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Der Vorgang ist zwischen Nato-Partnern beispiellos und zeigt die unterschiedlichen strategischen Interessen in der Region. Die USA drohen unter Präsident Donald Trump in Nahost zum Nebendarsteller degradiert zu werden. Zuletzt schrieb Erdogans Berater Cemil Ertem in der Zeitung "Sabah":

"Man sollte ihnen [den USA] die Gelegenheit dazu geben“, auf die harte Weise zu erfahren, dass die Welt nicht mehr die alte Welt ist.“
Cemil Ertem, außenpolitischer Berater Präsident Erdoganssabah

Das sind die 5 wichtigsten Fakten zu dem Konflikt

Der Streit um einen Geistlichen I – Pastor Brunson

Nach zwei Jahren aus der Haft entlassen

Die USA sind besorgt wegen des Umgangs der Türkei mit dem amerikanischen Pastor Brunson. US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence drängen auf die Freilassung des evangelikalen Geistlichen, der im Oktober 2016 wegen des Vorwurfs der Spionage sowie der Unterstützung der PKK und der Gülen-Bewegung in Untersuchungshaft genommen wurde. Im Juli wurde Brunson zwar in den Hausarrest verlegt, der gegen ihn betriebene Prozess wird aber fortgesetzt.

Erdogan hat vorgeschlagen, Brunson gegen den USA lebenden Fetullah Gülen auszutauschen.

Streit um einen Geistlichen II – Prediger Gülen

Seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 dringt die Türkei auf die Auslieferung des im US-Exil lebenden, muslimischen Predigers Fethullah Gülen, den sie für den Umsturzversuch verantwortlich macht.

Der Prediger lebt im US-Exil

Zur Empörung Ankaras haben die US-Behörden bisher keine rechtlichen Schritte gegen den Geistlichen unternommen, der seit 1999 in Pennsylvania lebt. Laut Washington hat die Türkei keine gerichtsfesten Beweise für Gülens Schuld vorgelegt.

Streit um die lieben Bündnispartner

Die Türkei ist verärgert über die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien. Ankara sieht sie wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung an.

Trotz des Drängens der Türkei halten die USA an der Militärhilfe für die YPG in Syrien fest, die sie als schlagkräftigen Partner im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) schätzen.

Neuer Kurs der Türkei – nicht nur in Syrien

Russia's President Vladimir Putin listens during a joint news conference with Iran's President Hassan Rouhani and Turkey's President Recep Tayyip Erdoga in Ankara, Turkey, Wednesday, April 4, 2018. Th ...
Bild: AP

Unter Erdogan entfernt sich die Türkei langsam vom Nato-Partner USA. So näherte sich Erdogan Russlands Staatschef Wladimir Putin an, die Türkei bestellte russische Atommeiler, schlimmer aber noch.

  • Das Nato-Land orderte auch russische S400-Raketen. Die USA fürchten, dass das russische Militär damit wichtige Informationen zu Nato-Flugbewegungen erhält. Erdogans Regierung begründete die Entscheidung für die russischen Waffen damit, dass die USA ihr keine Patriot-Raketen verkaufen wollten. Die USA setzten zudem diese Woche den Verkauf von F35-Kampfjets an die Türkei aus.

Alter Gegner Assad

In this photo released on Wednesday, June 13, 2018 by the Syrian official news agency SANA, Syrian President Bashar Assad speaks during an interview with Iran's Al Alam TV, in Damascus, Syria. Assad s ...
Bild: SANA
  • Auch in Syrien verfolgt Erdogan einen eigenen Kurs und hofft an alte osmanische Großraumträume anzuknüpfen. Sein ehemaliger Außenminister Abdullah Gül hatte einst Erdogans Syrien-Politik mit den Worten umschrieben:
"Unser Ziel ist größtmögliche Macht und Einfluss in der Region."
Abdullah Gül, ehemaliger Außenminister der Türkei

Im Frühjahr 2018 rückten türkische Truppen in den Norden Syriens ein und besetzten die von den Kurden gehaltene Stadt Idlib. Der syrische Staatschef Baschar al-Assad hatte zuletzt die Rückeroberung der Stadt angekündigt. Er paktiert mit den Kurden, denen er in der Region Autonomie verspricht. Nichts aber fürchtet die Türkei mehr als einen eigenen kurdischen Staat auf dem Gebiet des heutigen Iraks und Syriens.

Der Konflikt droht zu eskalieren.

(per/afp)

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