Bild: Imago/Montage: Watson

Wie geht es Sahra Wagenknechts Bewegung #aufstehen? Diese Unterstützer sind dabei

18.08.2018, 08:5918.08.2018, 16:52

Am 4. September will Sahra Wagenknecht das Programm einer neuen linken Sammlungsbewegung unter dem Namen #aufstehen vorstellen. Erste Unterstützer sind 

  • der Dramaturg Bernd Stegemann
  • die frühere Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer von den Grünen
  • der SPD-Abgeordnete Marco Bülow
  • der linke Nimmermüde Fabio de Masi, ebenfalls Bundestagsabgeordneter

Ein Ex-Staatsminister ist dabei

Nun gibt es neue Unterstützer: Ludger Volmer, einstiger Grünen-Realo und unter Außenminister Joschka Fischer Staatsminister im Auswärtigen Amt.

Ludger, wer? 

Ludger Volmer, 66, stammt aus Nordrhein-Westfalen. 1985 zog er erstmals in den Bundestag ein. Sein Schwerpunkt waren Entwicklungs- und Außenpolitik. In der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder (1998-2005) war Volmer von 1998 bis 2002 Staatsminister im Auswärtigen Amt. Sein Chef war Joschka Fischer.

Er bekennt sich nun in der Zeitschrift "Internationale Politik und Gesellschaft" ebenfalls zu dem Projekt.

Das sagt Volmer:

"Aufstehen ist erste Bürgerpflicht"

Längst sind neue Bewegungen entstanden, auf der Straße nicht so sichtbar, aber online voller Energie, Leben und Zukunftsideen. „Europäischer Frühling“ nennen sie sich, in Deutschland „DiEM25“ (Demokratie in Europa-Movement 2025), und werden zur nächsten Europa-Wahl antreten. Sie sind links, ökologisch, pazifistisch, basisdemokratisch – wie es einst die Grünen waren.

Sie in einem gemeinsamen Diskurs zu verbinden mit den „alten“ Linken, denen bei Sozis, Grünen und sonst wo die Heimat verloren zu gehen droht und die den Kampf für eine gerechtere Welt nicht einstellen wollen, könnte lohnend sein. Und den progressiven Liberalen sei gesagt: Aufstehen ist Bürgerpflicht – auch gegen die ökonomischen und ökologischen Irrationalitäten des Kapitalismus.

Sammeln und neu formieren heißt das Gebot der Stunde: diskutieren, nach vorn gerichtet, ohne Rechthaberei und Häme. Statt sich gegenseitig maximale rhetorische Verletzungen zuzufügen, wie es seit Jahrzehnten ihr Lieblingssport ist, sollten Linke erkennen, wie kostbar sie füreinander sind. Linke könnten sich vielleicht auf ein gemeinsames strategisches Ziel einigen: Es geht darum, die Lebenschancen aller Völker unter Beachtung der ökologischen Belastbarkeit des Globus auf möglichst hohem Niveau anzugleichen.
Ludger Vollmer, Grüne
internationale politik und Gesellschaft

Ein überraschendes Bekenntnis aus der grünen Realo-Szene, der auch Antje Vollmer entstammt. 

Auch die Grünen waren mal jung: Ludger Volmer (links) und Jürgen Trittin

Überraschender Antrieb von liberalkonservativen Medien

Ansonsten kommt die Debatte eher langsam in Schwung. Überraschenderweise ist es das Feuilleton der liberalkonservativen "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die die Debatte vorantreibt.

Der renommierte Politikwissenschaftler Martin Höpner vom Max Planck-Institut für Gesellschaftsforschung erklärte in der FAZ:

"Einem linken Internationalismus geht es nicht darum, dem Internationalismus die Vorsilbe zu nehmen. Es geht um das glaubhafte Eintreten für eine realistische Reformpolitik, die einen einen fairen Ausgleich zwischen den Gewinnern und Verlierern der Globalisierung herbeiführen will.

Hierfür aber ist es notwendig, die bestehenden linken Parteien ​aus ihrem linksliberalen Schlaf zu wecken und sie dazu anzuhalten, die Schattenseiten der Globalisierung und der europäischen Integration ebenso klar in den Blick zu nehmen wie ihre Vorzüge.

Weil ich davon überzeugt bin, dass dies die richtige Antwort auf den Rechtspopulismus ist, unterstütze ich die Sammlungsbewgung und sehe den Entwicklungen der kommenden Monate mit Freude entgegen.​
Martin Höpner
frankfurter allgemeine zeitung

Mit Freude entgegensehen? Klingt leicht pastoral. Aber an den Universitäten kommt Bewegung in die linke Aufbruchsache. 

Und noch mehr Unterstützer:

Auch der Schriftsteller Ingo Schulze ("Simple Storys") hat sich zu #aufstehen bekannt. Er erklärte der in dieser Debatte eher verschlafen "Süddeutschen Zeitung":

Verschenkte linke Stimme

Wer heute "links" wählt, muss immer befürchten, dass seine oder ihre Stimme marginalisiert oder letztlich doch irgendeiner Koalition mit der Union zugeschlagen wird. Das Fehlen eines selbstbewussten linken Gegenentwurfs, der eine grundsätzliche Kritik formuliert und andere Lösungen anbietet, entmutigt und vereinzelt. Ja, es ist deprimierend zu erleben, wie die SPD, der doch die entscheidende Rolle in einem Linksbündnis zukäme, es schon als Erfolg wertet, wenn sie die Auswirkungen der eigenen Politik abzumildern vermag. Wer Hartz IV installiert und Hedgefonds zulässt, um nur zwei Beispiele zu nennen, hat es schwer, gegen "Heuschrecken" zu kämpfen und Gerechtigkeit zu fordern.

Ingo Schulze, Schriftsteller, 
süddeutsche zeitung

Noch klemmt #aufstehen im Sommerloch. Aber es kommt langsam Bewegung in die Sache. 

#Aufstehen: Braucht Deutschland ein neues linkes Projekt?

(per/dpa/afp)

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